Bericht: Wéi fonctionnéiert e Wärmenetz an der Praxis ? – Eine sehr anregende Besichtigung des Wärmenetzes von Südcal S.A. in Esch

An einem sonnigen Samstagmorgen des 25. April fanden sich 30 interessierte Teilnehmer:innen in Esch-Alzette zur vom Mouvement Écologique organisierten Besichtigung der Anlagen von Südcal ein. 

Ziel war es, anhand von Erklärungen und praktischen Darstellungen die Funktionsweise eines Wärmenetzes im Detail zu verstehen – von der Wärmeerzeugung und der Nutzung sogenannter „Abwärme“ über das Management des Netzes bis hin zur Übergabe an den Endkunden, in diesem Fall ein öffentliches Forschungsgebäude.

Unter der engagierten Führung von Mark Lauwers und Ruben Garmijn von Südcal S.A. wurden die Herausforderungen der Wärmewende sowie die Notwendigkeit einer sorgfältigen Planung der zukünftigen Wärmeversorgung besonders deutlich.

Zentralisierte Wärmeversorgung als wichtiger Baustein für die Wärmewende

Als erster Programmpunkt standen eine kurze Vorstellung sowie eine Besichtigung der Übergabestation im „House of Biohealth“ auf der Tagesordnung – dem Punkt, an dem die Wärme aus dem Netz im Gebäude ankommt. Es wurde deutlich, wie ein Wärmenetz eine große Anzahl öffentlicher Gebäude und Wohnungen über mehrere Wärmequellen versorgen kann. Dabei werden auch klare Vorteile ersichtlich: Durch die zentralisierte Versorgung lässt sich die Effizienz steigern. Durch die Erschließung erneuerbarer Wärmequellen kann ein wesentlicher Beitrag zur Wärmewende geleistet werden. Auch im Gebäude selbst, wird nur eine vergleichsweise kleine Anlage benötigt, um die Hitze zu verteilen.

Mark Lauwers und Ruben Garmijn haben anhand ihres digitalen Steuerungsprogramms eindrücklich gezeigt, wie die Produktion und der Verbrauch in Einklang gebracht werden. Ebenfalls können so Störungen im Netz, z.B. der zu starke Verbrauch eines Gebäudes aufgrund einer schlecht eingestellten Übergabestation, identifiziert und behoben werden, um einen möglichst effizienten Betrieb zu gewährleisten.

Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Betrieb von Wärmenetzen

Im Laufe der Besichtigung wurde durch Erklärungen und Diskussionen deutlich, wie stark sich der Betrieb eines Wärmenetzes von anderen Infrastrukturen, wie dem Gas- oder Stromnetz, unterscheidet. Leider fehlt es aber derzeit landesweit an klaren Rahmenbedingungen (z.B. betreffend Gestion, Finanzierung usw.) der Wärmenetze, so dass sie bei weitem nicht im erforderlichen Ausmass ausgebaut werden. Aktuell besteht aufgrund der großen Menge an Abwärme landesweit aber auch spezifisch für die Sudcal ein starkes Potenzial, um weitere Viertel und Gebäude anzuschließen. Allerdings stockt dies, weil es nicht klar ist, in welche Richtung das Netz in Zukunft ausgebaut werden soll. Es gibt z.B. eine Anfrage, um eine neue Tennishalle an das Netz anzuschließen, eine äußerst sinnvolle Maßnahme, die aber gewisser Vorentscheidungen bedarf.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Wärmeplanung, die eine klare Vision für 15 bis 20 Jahre vorgeben soll – sie ist sowohl für die Finanzierung des Netzausbaus als auch für die Erschließung weiterer Wärmequellen unerlässlich. Auf politischer, juristischer und wirtschaftlicher Ebene stellen sich darüber hinaus noch zahlreiche offene Fragen – etwa zur Absicherung der Kunden und zur Tarifgestaltung (da sie de Facto bei der Wärmeversorgung einem quasi „Monopolisten“ ausgeliefert sind), sowohl für die Einspeisung von Wärme als auch für den Bezug durch die Endkunden. Beim Austausch wurde auch hervorgehoben, dass öffentliche Gebäude, wie z.B. eine neue CGDIS-Kaserne die im Einzugsgebiet des Netzes, liegen, sich bisher nicht anschließen müssen, wodurch auch Planungssicherheit verloren geht. Hier besteht Nachholbedarf.

Die Nutzung von Abwärme aus industriellen Prozessen vereinfachen

Das Wärmenetz von Südcal nutzt eine besondere Wärmequelle: Bis zu 45 % der Wärmeversorgung stammen aus der Abwärme der Stahlproduktion von Arcelor in Esch-Belval. Dieser „Abfall“ (chaleur fatale) erhält im Kontext der Energiekrise eine ganz neue Bedeutung. Anstatt in die Luft zu entweichen wird ein Teil der Hitze in das Netz eingespeist.

Die Besichtigung zeigte jedoch, dass diese Nutzung nicht ohne Weiteres zu bewerkstelligen, aber dennoch mit ausreichendem Know-How absolut machbar ist: Fluktuationen müssen so gut wie möglich abgefangen werden, um den Einsatz zusätzlicher Gasturbinen zu minimieren. Zudem besteht stets das industrielle Risiko einer möglichen Abwanderung oder Produktionsreduktion. Die potenzielle Einbindung neuer Abwärmequellen durch andere Industriebetriebe in der Nähre (z.B. Kronospan) wirft seinerseits eine Reihe von Fragen auf: Wie würden die Preise zwischen Lieferant und Abnehmer reguliert? Wie können grundsätzlich unterschiedliche Wärmequellen optimal aufeinander abgestimmt werden? Wer baut die nötige Infrastruktur, um die Wärme vom Industriestandort ins Netz einzuspeisen?

Fazit: Wärmenetze können einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung leisten – es fehlt noch an einem Rahmen, der dieses Ziel unterstützt

Die Besichtigung der Südcal-Anlagen hat sehr konkret gezeigt, welches Potenzial Wärmenetze für die Energiewende besitzen und wie komplex die technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Voraussetzungen sind, die es dafür zu schaffen gilt. Insbesondere in dicht besiedelten Städten, wie z.B. Esch-Alzette, oder aber auch für Neubaugebiete mit öffentlichen Einrichtungen sind solche Netze eine interessante Möglichkeit für die Wärmeversorgung der Zukunft.


In Zahlen

Das Netz von Sudcal hat eine Leistung von 45 MW, was 3 großen Offshore Windkrafträdern entspricht

Insgesamt hat das Netz eine Länge von 30km und erstreckt sich zwischen der „Waassertrap“ in Belvaux und dem neuen Viertel „Nonnewisen“

Es sind 230 Anschlusspunkte im Netz, die sowohl große öffentliche Einrichtungen wie aber auch Wohngebäude versorgen.

 

Die Powerpointpräsentation finden Sie im PDF in den Downloads.

 

 

30.04.26