Ëmmer méi laang an extrem Hëtztperioden: net méi waarde bis d’Kand am Pëtz läit
Die anhaltenden heißen Tage rund um den Nationalfeiertag sind sonder Zweifel die heißesten je gemessenen zu diesem Zeitpunkt. Dabei wünschte sich der Staatsminister noch in seiner Rede zum Nationalfeiertag: „Dofir wënschen ech mir op dësem Nationalfeierdag, dass mir all zesummen un engem Strang zéien: (…) fir e Liewensmodell, deen d’Limitte vun eisem Planéit respektéiert.”
Nun leider sind wir derzeit noch weit von diesem Lebensmodell entfernt, das sich der Staatsminister herbeisehnt. Ganz im Gegenteil. Die EU-Kommission hat Luxemburg in ihrem „Länderreport 2026“ sogar in wichtigen Punkten ein äußerst bedenkliches Urteil ausgestellt (*). Drei Beispiele von vielen:
- Zwischen 1980 und 2024 verbucht Luxemburg – gemäß EU – etwa 1,4 Billionen ökonomische Verluste durch wetter- und klimabedingte Extremereignisse (**)! Was hätte man mit dieser gigantischen Summe an konstruktiven Projekten fördern können.
- Luxemburg ist das Land der EU mit den größten Herausforderungen im Bereich der Wasserqualität – die Wasserverschmutzung ist eine Herausforderung für die langfristige Wasserversorgung;
- Luxemburg ist besonders stark von Flächeninanspruchnahme und Versiegelung betroffen, was zu einer Verschlechterung von Böden und Ökosystemen führt.
Die massive Hitze dieser Tage – und die Notwendigkeit dagegen vorzugehen und weitere Steigerungen der Temperaturen so weit wie möglich zu begrenzen – verdeutlicht nun erneut besonders eindringlich, wie wichtig es ist, aktiv zu werden. Der Einzelne kann und soll dabei durchaus einen Beitrag leisten, sei es, indem er durch sein individuelles Verhalten der Klimakatastrophe entgegenwirkt oder indem er die Begrünung in seiner Umgebung fördert.
Schlussendlich ist es aber an der öffentlichen Hand die richtigen Weichen zu setzen. Dies erfolgte in der Vergangenheit nicht ausreichend. Obwohl seit langem voraussehbar war, dass diese Extremwettersituationen zunehmen werden (sowohl Zeiten von Starkregen und Überschwemmungen als auch extreme Hitzeperioden), wurde dieser Situation nicht genug entgegengewirkt bzw. sich darauf vorbereitet.
Dies trotz der erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Aktivitäten, die körperliche und mentale Gesundheit. Zudem muss man wissen: nicht nur wir Menschen leiden unter der Hitze, sondern auch Tiere und die natürliche Umwelt sind gestresst. Und es ist gewusst: mit der Klimakatastrophe werden die Temperaturen weiter steigen und vor allem die Häufigkeit zunehmen.
Wir können und müssen uns als Gesellschaft auf diese Extremwettersituationen vorbereiten, aber vor allem muss alles getan werden, um deren Zunahme zu verhindern und eine weitere Steigerung der Temperaturen so niedrig wie möglich zu halten.
Der Mouvement Ecologique erneuert deshalb eindringlich seine Anregungen an die Regierung, noch weitaus konsequenter zu handeln, damit die Klimakatastrophe und die Erwärmung zumindest eingedämmt und die nicht mehr vermeidbaren negativen Folgen bestmöglich angegangen werden. Dies kann dann sogar zu einer erheblichen Steigerung des Wohlbefindens führen. Hier zu gehören u.a.:
- Die Gründe für die extreme Erhitzung, die Klimakatastrophe bekämpfen, damit diese Extremsituationen nicht weiter zunehmen und sich weiter zuspitzen. Sprich: statt, wie anlässlich der Tripartite entschieden, fossile Energiequellen wie Gas, Heizöl und Treibstoffe noch finanziell zu unterstützen, daraus aussteigen, erneuerbare Energien ausbauen und eine sozial gerechte Wärme- und Mobilitätswende noch entschiedener angehen.
- Die ökologische Blindheit der nationalen Resilienzstrategie beheben: Derzeit wird an dieser Strategie gearbeitet, allerdings werden ökologische Fragen nur am Rande behandelt. Diese müssen zu einer Priorität werden.
- Die Klimaadaptationsstrategie reell angehen: Luxemburg verfügt seit kurzer Zeit über ein Dokument, wie die negativen Auswirkungen der nicht mehr vermeidbaren Klimaveränderung reduziert werden können. Die vorherige Strategie war nicht viel mehr wert als das Papier, auf dem sie stand, da nicht an deren Umsetzung gearbeitet wurde. Es gilt nun mit Schlagkraft an der Umsetzung der neuen zu arbeiten.
- Finanzschwache Haushalte gezielter in der Transition unterstützen, da diese ggf. am meisten unter der Hitze leiden (z.B. durch schlechter isolierte Häuser, weniger Zugang zu Grünflächen).
- Einer schnelleren und systematischeren Begrünung der Ortschaften vorantreiben, u.a. durch folgende Projekte:
* jede Gemeinde braucht einen kohärenten Grünplan, also eine Strategie, wie, wo und wann mehr Grün angelegt werden kann, um sich an den Klimawandel anzupassen, die Lebensqualität besonders in den Städten zu verbessern und dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken (Stichworte: grünere öffentliche Plätze, Straßenbegrünung, Anlegen von Kaltluftschneisen);
* die Reform des Naturschutzgesetzes darf deshalb nicht wie geplant durchgeführt werden, denn sie würde zu einem weiteren Verlust an Grünflächen in den Gemeinden führen;
* schnelle und wirksame konkrete Maßnahmen sind zu ergreifen, wie z.B. die Anlage und der Unterhalt gesunder Stadtbäume; das Umsetzen des Konzeptes der Schwammstadt; das Erstellen von Vorgaben auch der Begrünung innerhalb von Aktivitätszonen; die Entsiegelung betonierter Flächen; eine weitaus konsequentere Förderung und Beratung von Privatpersonen, die auf ihrem Terrain aktiv werden wollen,
* die Vorlage eines nationalen Bautenreglementes seitens des Innenministeriums, welches die Energiewende sowie die Durchgrünung und das Regenwasser-Management weitestmöglich fördert. - Eine Reform der Landwirtschaftspolitik durchführen, bei der u.a. folgende Prioritäten gesetzt und verstärkt gefördert werden: Humusaufbau des Bodens und eine ökologische Bewirtschaftung mit Mischkulturen, Fruchtfolgen und extensive Weidehaltung von Nutztieren
- Landschaften renaturieren: Feuchtgebiete müssen wieder vernässt, Flussläufe und Bäche mit Auen renaturiert, Weiher und Tümpel wieder hergestellt, Drainagen von Feuchtwiesen und Entwässerungsgräben im Offenland rückgebaut werden.
- Eine resiliente Waldbewirtschaftung sichern, um somit klimaresiliente Mischwälder mittels einer natürlichen standortgerechten Naturverjüngung zu ermöglichen. Es gilt Wälder durch Dauerwaldbewirtschaftung geschlossen zu halten, Waldstraßen sowie Entwässerungsgräben von Mardellen rückzubauen und die Bodenverdichtung durch tonnenschwere mechanische Bewirtschaftung zu reduzieren.
Dabei darf das Gesundheitsministerium seine Rolle nicht darauf reduzieren, auf die sich zuspitzende Situation mit einem sicher notwendigen „plan canicule“ für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu reagieren. Proaktives Handeln ist geboten.
Wie sagte Staatsminister Luc Frieden in seiner Rede zur Lage der Nation:
* Wëlle mir d’Sonn am Summer genéissen, oder als Hëtztwell erdroen?
* Wëlle mir e gereegelten Alldag, oder extrem Wiederen?
* Wëlle mir frësch Loft, proppert Waasser, gesond Bëscher?“
Seine Antwort war:
„Fir d’Regierung sinn d’Äntwerte kloer: mir wëllen d’Ëmwelt schützen an de Klimawandel ugoen.“
Damit dies kein frommer Wunsch bleibt, muss die Politik aber weitaus konsequenter handeln!
(*) COMMISSION STAFF WORKING DOCUMENT 2026 Country Report – Luxembourg Accompanying the document Recommendation for a COUNCIL RECOMMENDATION on the economic, social, employment, structural and budgetary policies of Luxembourg.
(**) Between 1980 and 2024, Luxembourg recorded around EUR 1.4 billion in economic losses from weather- and climate-related extreme events, ranking second in the EU in per capita losses and third in losses per square metre (310).
25.06.2026





































































