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Brauchen wir neue „Erzählungen“ für eine lebenswerte nachhaltige Zukunft?

Donnerstag, den 21. November 2019 um 20:00 im Hotel Parc Belle-Vue, 5, av. Marie-Thérèse, Luxembourg

Unsere Gesellschaft wird von tief verwurzelten Erzählungen geprägt, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben. Diese spiegeln die Werte in unserer Gesellschaft wider und prägen unsere Alltagskultur – als unausgesprochene Grund annahmen, die keiner Rechtfertigung bedürfen.. Sie beeinflussen unser Verhalten, unser Zusammenleben und die Ausrichtung politischer Entscheidungen.
Diese Erzählungen sind so tief verwurzelt und selbstverständlich, dass sie gewöhnlich gar nicht hinterfragt werden, so der Referent des Abends.
Eine der wirkmächtigsten Erzählungen in unserer Kultur ist die des “Wachstums”, eng verknüpft mit dem Motiv der Effizienzsteigerung. Oder wie Sascha Meinert es umschreibt: Die ökonomische Erzählung ist aus dem Mangel heraus geboren worden. In einer Zeit als der Mangel allgegenwärtig war. In dieser Erzählung kommunizieren wir maßgeblich über Zahlen, wobei „Mehr“ stets besser ist als „Weniger“. Sinnvolles Verhalten ist in dieser Erzählung maßgeblich durch Effizienz und Nutzenmaximierung geprägt. Eine gelungene Identität bedeutet hier: Wachstum”.
Zunehmend merken wir: Diese kulturelle Vorstellung reicht nicht mehr aus, die gewaltigen Herausforderungen vor denen wir stehen, anzugehen. Im Gegenteil: die zahlreichen Krisen unserer Zeit – im Umweltbereich, in der Ökonomie, im sozialen Miteinander und bezüglich des Vertrauens in die Politik – sind Ausdruck und Folge der Erschöpfung der ökonomischen Erzählung.
Wir befinden uns derzeit deshalb nicht nur in einer ökologischen und sozialen, sondern in einer kulturellen Krise! Der Begriff der Nachhaltigkeit steht als Platzhalter für die Suche nach einer neuen Erzählung. “Die Erzählungen über Nachhaltigkeit nähren sich jedoch bislang überwiegend aus dem Blickwinkel zu
vermeidenden Krisen. Was häufig fehlt, sind lebendige, emotional anschlussfähige Vorstellungen von einer anderen, erstrebenswerten und tatsächlich realisierbaren Lebensweise, und noch wichtiger: von den Wegen dorthin” so der Referent des Abends und weiter: “Das Ziel der Nachhaltigkeit kann nur
überzeugen, wenn es mit Geschichten, mit individuellen Lebensentwürfen verknüpft werden kann, wenn Nachhaltigkeit als eine spannende Reise, als Weg zur Beheimatung in einem größeren Ganzen erzählt werden kann.”
Sascha Meinert wird im Laufe des Abends diese Überlegungen ausführen und Anregungen geben, wie derartige neue Erzählungen und prägende Leitbilder entstehen und kommuniziert werden können und welchen Beitrag die Zivilgesellschaft, die Politik und jeder Einzelne dafür leisten kann.

 

Der Referent:

Sascha Meinert, Politikwissenschaftler und Gründer des Berliner Instituts für prospektive Analysen, erkundet seit über 20 Jahren Fragen der Zukunftsfähigkeit von Organisationen und Gesellschaften. Er hat insbesondere zu Themen der Nachhaltigkeit und dem Wandel der Arbeitswelt zahlreiche Veröffentlichen vorgelegt. Meist in Form von Szenarien, also als unterschiedliche, aber gleichermaßen plausible Geschichten über die Zukunft, die zu einer persönlichen Auseinandersetzung anregen und Menschen bewegen, etwas zu tun.

 

 

 

Date de publication: 24.09.2019
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