Overshoot-day: Luxemburg erneut auf traurigem Siegertreppchen! Die Renovierung in Luxemburg vorantreiben – 9‑Punkte‑Programm zur Stärkung des Bauens im Bestand
Am Dienstag, den 17. Februar 2026, wird Luxemburg erneut, als zweites Land weltweit nach Katar den Overshoot-Day erreicht haben.
Den Tag also, an dem unser Land all seine jährlich zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen verbraucht hat und somit für den Rest des Jahres auf „Pump“ lebt. Luxemburg steht somit erneut weltweit auf einem traurigen „Siegertreppchen“…
Man hätte eigentlich erwarten dürfen, dass Luxemburg aktiv werden würde, um diese äußerst unrühmliche „Gewinnerposition“ aufzugeben und alles daran setzen würde, den Overshoot-Day 2026 nach hinten zu verschieben. Move the date! sollte hierbei der Leitspruch sein. Leider ist dieser Fall erneut nicht eingetreten, trotz Regierungsversprechen und diesbezüglichen Initiativen.
Dabei muss sich der Erfolg dieser Regierung u.a. auch daran messen lassen, ob es gelingt, Luxemburg aus Nachhaltigkeitssicht resilienter und zukunftsfähiger zu gestalten.
Luxemburg muss sich somit verstärkt auf den Weg der sozial-ökologischen Transition begeben. Wichtige Eckpunkte, wie dies gelingen kann, sind seit Langem bekannt: Sie reichen von der Einführung bestimmter Umweltsteuern im Sinne einer nachhaltigen Steuerreform (Sojasteuer, Pestizidsteuer, Malussystem für besonders emissionsintensive Wagen…), einer weitaus stärkeren Mitnahme von finanzschwachen Haushalten bei der energetischen Transition, dem Vorrang von biologischen und regionalen Produkten in allen öffentlichen Kantinen und der Förderung des Biolandbaus, Projekte im Bereich der Kreislaufwirtschaft. bis hin zu Initiativen, um das Sozialsystem weniger abhängig vom Wachstum zu gestalten.
Angesichts der Tatsache, dass Luxemburgs unrühmliche Siegerrolle beim Overshootday seit Jahren immer wieder bedauert und thematisiert wird, ohne aber, dass sich etwas verändert, möchten Mouvement Ecologique und Oekozenter Pafendall exemplarisch an einem zentralen Dossier aufzeigen, was getan werden muss: ein 9-Punkte Programm zur Förderung der Renovierung von Gebäuden im Bestand.
Hier gehen Ressourcen- und Klimaschutz sowie soziale Aspekte Hand in Hand: Das vorgeschlagene Programm soll einen konkreten Beitrag dazu leisten, dass Luxemburg hier vorankommt… und der Overshootday hoffentlich etwas nach hinten verlagert wird.
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Gemeinsam setzen sich Mouvement Ecologique und Oekozenter Pafendall dafür ein, den Gebäudebestand in Luxemburg im Sinne einer nachhaltigen Ressourcennutzung und der Reduzierung grauer Emissionen im Bausektor deutlich stärker in den Fokus zu rücken. Den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude sowie die erleichterte Nachverdichtung im Bestand stellen zentrale Hebel dar, um (zusätzlichen) Wohnraum zu schaffen, ohne zusätzlichen Flächenverbrauch zu verursachen.
Fakt ist: Schätzungen zufolge stehen zwischen 5 und 10 % der Gebäude in den Luxemburger Gemeinden leer. Dieses Potenzial wird bislang unzureichend genutzt. Die Reaktivierung und Renovierung bestehender Gebäude ist daher nicht nur ein zentrales Element des Ressourcen- und Klimaschutzes, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung des Wohnraummangels sowie zur Problematik im Bausektor.
Umso unverständlicher ist es, dass sich der politische und öffentliche Diskurs weiterhin stark auf den Neubau konzentriert, anstatt die erheblichen Potenziale des Bestands systematisch zu mobilisieren.
Leerstehende Gebäude haben vielfältige negative Auswirkungen: Sie beeinträchtigen das Orts- und Stadtbild, können sicherheitsrelevante und hygienische Probleme verursachen und führen vor allem dazu, dass vorhandener Wohnraum nicht genutzt wird. Dies ist gerade in Zeiten des akuten Wohnungsmangels unverantwortlich.
Die Ursachen für den Leerstand sind vielfältig – entsprechend breit müssen auch die Maßnahmen sein, die zu seiner Reduzierung beitragen: von rechtlichen Rahmenbedingungen über fiskalische Instrumente – wie eine Reform der Grundsteuer oder eine Leerstandsabgabe – bis hin zu gezielten Fördermaßnahmen zur Renovierung und Reaktivierung dieser Gebäude.
Die Förderung von Renovierungen – beginnend mit dem Abbau bestehender rechtlicher, finanzieller und administrativer Hürden – muss daher deutlich stärker in den politischen Fokus rücken und zeitnah vorangetrieben werden. Dies ist nicht nur aus wohnungspolitischer Sicht geboten, sondern auch aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes zwingend erforderlich.
Zahlreiche europäische Studien zeigen, dass die grauen Emissionen eines Neubaus je nach Bauweise typischerweise im Bereich von mehreren Hundert bis über 1.000 kg CO₂ -äquivalent pro Quadratmeter liegen. Durch den Erhalt und die Renovierung bestehender Gebäude können im Vergleich dazu in der Regel zwischen 50 % und 75 % dieser Emissionen vermieden werden. Gerade vor dem Hintergrund der Klimaziele bis 2050 ist dieser Unterschied von zentraler Bedeutung.
Sowohl der Luxemburger Integrierte Energie- und Klimaplan (PNEC) als auch die EU-Richtlinie EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) sehen eine deutliche Reduktion der grauen Emissionen im Gebäudesektor bis 2050 vor. Diese Ziele lassen sich nur erreichen, wenn Renovierung und Umbau systematisch Vorrang vor Abriss und Neubau erhalten. Auch der Nationale Plan für Abfall- und Ressourcenmanagement betont ausdrücklich die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der bestehenden Bausubstanz und der Vermeidung von Bauabfällen.
Nicht zuletzt bieten Renovierungen gegenüber Neubauten weitere strukturelle Vorteile: Bestehende Gebäude sind in der Regel bereits an kommunale Infrastrukturen angeschlossen, zusätzlicher Flächenverbrauch kann vermieden werden, Nutzungskonflikte bei Neuausweisungen werden reduziert, und bestehende Standorte sind häufig besser an den öffentlichen Verkehr angebunden als neue Siedlungsgebiete.
Hinzu kommt ein zeitlicher Vorteil: Bestehende Gebäude können – sofern die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen stimmen – im Vergleich zu vielen Neubauprojekten deutlich schneller umgebaut, erweitert oder reaktiviert werden. Auf diese Weise lässt sich zusätzlicher Wohnraum kurzfristiger mobilisieren, zugleich werden regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Bau- und Handwerkssektor gestärkt.
Ohne eine konsequente Priorisierung der Renovierung und Weiterentwicklung des bestehenden Gebäudebestands sind weder die nationalen Klimaziele noch eine nachhaltige Wohnraumpolitik erreichbar. Der derzeitige Fokus des öffentlichen und politischen Diskurses auf den Neubau greift zu kurz, da er die erheblichen Potenziale des Bestands in Bezug auf Ressourcenschonung, Klimaschutz und kurzfristige Wohnraumschaffung unzureichend berücksichtigt. Eine strategische Neuausrichtung zugunsten des Bauens im Bestand ist daher erforderlich.
Mouvement Ecologique sowie Oekozenter Pafendall möchten mit diesem 8 Punkte Programm – der u.a. auf einer Austauschrunde mit Akteuren des Bausektors beruht – einen Beitrag dazu leisten, die Renovierung und das Bauen im Bestand in Luxemburg gezielt voranzubringen und bestehende Potenziale wirksam zu mobilisieren.
Die Renovierung und der Umbau des bestehenden Wohnbestands sind dabei kein Randaspekt, sondern ein zentraler Baustein zur Bewältigung der Wohnungskrise in Luxemburg.
Hierfür braucht es einen kohärenten Instrumentenmix: Von einem verbesserten reglementarischen System über optimierte Finanzhilfen bis hin zu einer konsequenten Sensibilisierungsarbeit.
- Umbau vor Neubau: Klima- und ressourcengerechte Entscheidungen treffen
- Neuregelung im Rahmen der harmonisierten Bauordnung – Unterscheidung zwischen Neubau und Umbau
- Nachverdichtung im Bestand erleichtern
- PAG / PAP-Bestimmungen: Umbau erleichtern
- Reform der Förder- und Finanzierungsinstrumente für die Bestandssanierung grundlegend weiterentwickeln
- Ausbau des stark reduzierten Mehrwert-Steuersatzes
- Leerstandsabgabe und Grundsteuerreform zügig angehen
- Rolle der öffentlichen Hand:Wohnraum im Bestand sichern statt (nur) neu bauen
- Sensibilisierung gezielt vorantreiben
17.02.26






