Kurzvortrag von Katharina van Bronswijk (mit Video): Von der Angst ins Handeln – wie aus Klimaemotionen gesellschaftliches Engagement werden kann

Am Donnerstag, den 10. September, war die Psychologin, Psychotherapeutin und Sprecherin der “Psychologists for Future” Katharina van Bronswjik zu einem Kurzvortag mit anschließender Austauschrunde im Oekozenter zu Gast. In ihrem Vortrag: “Von der Angst ins Handeln – wie aus Klimaemotionen gesellschaftliches Engagement werden kann” thematisierte Sie nicht nur die verschiedenen Emotionen, die besonders nach diesem Rekord-Hitzesommer bei den Menschen ausgelöst wurden, sondern auch wie diese für ein gesellschaftliches Engagement genutzt werden könnten.

 

Angst, Wut und die stille Trauer

Emotionen gelten als Bedürfnisanzeigen und spielen eine wichtige Rolle für den Menschen. Beim Blick auf die am häufigsten genannten Gefühle im Zusammenhang mit dem Klimawandel seien Angst und Wut die erst genannten Gefühle und auch die, die am meisten diskutiert werden. Sie wirken aktivierend und bewegen den Menschen zu Änderungen im Lebensstil oder auch zum Aufstand gegen die Politik. Eine weitere dominante Emotion, über die nicht viel geredet wird, ist jedoch die Trauer. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Verarbeitung dessen, was wir nicht mehr ändern können. Der Schmerz der Trauer dient somit der Heilung der Seele und ist ein langfristiger Prozess.

 

80 % vs. 30 %: Die Diskrepanz im Vertrauen

In ihrem Vortrag sprach Frau van Bronswijk auch über die sogenannte pluralistische Ignoranz, ein weit verbreitetes Phänomen: Würde man in einer Gruppe fragen, wer bereit wäre, für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen auf Dinge zu verzichten, würden sich rund 80 % der Menschen melden. Fragt man dieselben Leute anschließend, wie viel Prozent der anderen wohl dasselbe tun würden, fällt die Schätzung mit rund 30 % deutlich niedriger aus. Diese Diskrepanz zeigt, wie sehr wir als Gesellschaft unsere Mitmenschen unterschätzen, wenn es darum geht, etwas Positives fürs Klima zu tun und wie viel wir erreichen könnten, wenn wir darauf vertrauen, dass auch andere ihren Teil zum Klimaschutz beitragen.

 

Aktive Zuversicht statt Hoffnungslosigkeit

Ein weiteres zentrales Konzept, das Frau van Bronswijk vorstellte, ist das sinnorientierte Coping. Es geht dabei darum, der Mensch sein zu wollen, der man sein möchte. Dieser Ansatz kann auch die Missgunst gegenüber anderen verringern. Man handelt nicht aus dem Vergleich mit anderen heraus, sondern aus der eigenen Überzeugung, und das verändert, wie man sich dabei fühlt. So lässt sich gutes Handeln mit einem guten Gefühl vereinbaren. Wichtig ist dabei auch, dass man Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer nicht verdrängt, sondern sie immer wieder zulässt und trotzdem ins Handeln kommt. Die Gesellschaft muss akzeptieren, dass es eine große Krise gibt und dass wir Teil davon sind. Ein wenig Veränderung reicht somit nicht aus. Zuversichtlich zu sein, sei dabei eine individuelle Entscheidung, betonte van Bronswijk: “Depressiv in den Weltuntergang zu reiten”, sei keine attraktive Option. Stattdessen gehe es darum, sein Möglichstes zu tun und zu schauen, wie weit man damit kommt und sich nicht zu erlauben, hoffnungslos zu werden. Dazu passend betonte Frau van Bronswijk: „Wir können die Welt nicht alleine retten, sondern müssen das Vertrauen in andere wiederfinden, dass sie auch etwas dazu beitragen.“ Ein Zusammenschluss vieler kleiner Beiträge kann somit schon viel bewirken.

 

Austauschrunde mit geselligem Ausklang

In der folgenden Austauschrunde mit etwa 60 Zuhörer:Innen, konnten die Besucher:Innen verschiedene Fragen direkt an die Referentin stellen, die fachlich und praxisorientiert beantwortet wurden. Abgerundet wurde der Abend mit einem gemütlichen “Patt” bei dem sich noch munter ausgetauscht wurde.