Lebhaftes Tagesseminar: Méi Gréngs an eise Gemengen – fir de Mënsch an d’Biodiversitéit

Für eine kohärentere Grünplanung in unseren Gemeinden – von der Vision zur Umsetzung

Das Tagesseminar zum Thema kommunale Grünplanung vom 24. April 2026 war ein voller Erfolg: Mit 115 Teilnehmer:innen sowie 15 Referent:innen war die Veranstaltung außerordentlich gut besucht und spiegelte das große Interesse und den dringenden Handlungsbedarf im Bereich der kommunalen Grünplanung wider.

Die Veranstaltung wurde vom Mouvement Écologique unter der Schirmherrschaft des Luxemburger Umweltministeriums organisiert und hat Verantwortliche aus Gemeinden, Planungsbüros, Architekten sowie Naturschutzsyndikate, Biologische Stationen und engagierte Akteurinnen und Akteure aus dem Naturschutz zusammengebracht.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung erscheint am 06.05.2026.

Die Folien der Refernt:innen sind unten auf der Seite aufzufinden.

 

Vormittag: Inspiration aus der Praxis

Der Vormittag bot eine breite Palette an Vorträgen und Praxisbeispielen, die das Thema der integrierten Grünplanung – die Klimaanpassung, Biodiversität und Lebensqualität zusammendenkt – aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchteten.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Instrumente für Gemeinden

Den Auftakt bildeten Beiträge zu den schon vorhandenen nationalen Instrumenten und Anreizen für eine bessere Durchgrünung. Milan Loreti vom Umweltministerium stellte die zentralen Punkte der neuen nationalen Klimaadaptationsstrategie der Regierung im Bereich Durchgrünung vor und zeigte auf, welche Rolle Gemeinden dabei spielen und welche Unterstützung ihnen zur Verfügung steht.

Valérie Spaus von der Klima-Agence erläuterte ergänzend, welche Initiativen der „Naturpakt“ im Bereich Durchgrünung fördert und wo die Luxemburger Gemeinden aktuell stehen.

Konkrete Umsetzungsbeispiele aus Luxemburg

Lisa Siebenaler (SICONA) und Tom Dall’Armellina (SIAS) zeigten anhand konkreter Fallbeispiele, wie zahlreiche Gemeinden dank des Naturpaktes ihre Grünflächen zunehmend naturnah gestalten. Die Referenten schilderten, wie die Planung in der Praxis abläuft – von der detaillierten Bestandserfassung (Kartierung) über die Entwicklung eines Maßnahmenkonzepts bis zur Einbindung der Gemeindedienste, z.B. anhand von Schulungen.

Pierre Schmitt, Umweltbeauftragter der Stadt Luxemburg, präsentierte die ambitionierte Strategie der Hauptstadt, die auf einem ganz rezent ausgearbeiteten und äußerst konkreten Plan zur Begrünung zur Klimaadaptation basiert. Die Stadt Luxemburg hat die Ambition einen umfassenden Aktionsplan vorzulegen, der alle Aspekte bündelt: Von der Erfassung schützenswerter Arten über Maßnahmen auf der Planungsebene, der Gestaltung von Plätzen und Straßen bis hin zur Zusammenführung von Klimaschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen.

Animal-Aided Design – Inspirierende Projekte aus Deutschland

Besonders begeistert aufgenommen wurde der Vortrag von Thomas E. Hauck, Landschaftsarchitekt und Managing Director von Studio Animal-Aided Design sowie Professor an der TU Wien. Er stellte das innovative Konzept des „Animal-Aided Design“ vor, bei dem Tierarten nicht als störende Elemente in Bauprojekten betrachtet, sondern als Mitbewohner und Mitgestalter der Ortschaften integriert werden. In einer steigenden Anzahl von deutschen Gemeinden findet dieser Ansatz bereits Eingang in Wohnungsbau- und städtebauliche Projekte – ein wahrhaft inspirierendes Beispiel, das zeigte, wie Biodiversitätsschutz und Klimaanpassung kreativ und motivierend zusammengedacht werden können. Naturschutzfachliche Belange werden hier als gestaltende Elemente eingebunden – nicht als Hemmnisse.

Programm “Stadtgrün” der Stadt Zürich – ein motivierendes Vorbild

Sara Bischof von Grün Stadt Zürich, stellte eindrucksvoll das Programm „Stadtgrün“ vor, das 2023 durch eine Volksinitiative ins Leben gerufen wurde. Das 2024 angelaufene Programm setzt konkrete Maßnahmen im öffentlichen Raum um – Entsiegelungen, ökologische Aufwertungen und Baumpflanzungen – und schafft gleichzeitig finanzielle Anreize für private Grundeigentümer:innen. Zürich zeigte, dass sie mit einem Mix unterschiedlicher Initiativen wirkungsvoll im Bereich Durchgrünung vorankommen und dass die direkte Ansprache Privatpersonen zu motivieren, mehr „Grün“ anzulegen, absolut gelingen kann und einen sehr wichtigen Mehrwert bringt, wenn die Beratung und Unterstützung geben sind.

 

Nachmittag: Vertiefung, Planungspraxis und Workshop

Eröffnung durch Umweltminister Serge Wilmes

Den praktischen Teil des Nachmittags eröffnete Umweltminister Serge Wilmes mit motivierenden Worten: Er unterstrich die Bedeutung einer verstärkten Durchgrünung und dass diese ein wichtiges Anliegen der Regierung sei. Er betonte, dass wir es uns heutzutage nicht mehr erlauben könnten, Bauprojekte zu realisieren, die nicht ausreichend Grünflächen vorsehen würden. Generell bräuchte es Standards und auch Hilfe und Vorgaben zur Umsetzung auch für öffentliche Akteure, wie zum Beispiel der sich in Ausarbeitung befindende Leitfaden zu Baumpflanzungen im öffentlichen Raum. Dieser wurde seitens des Ministeriums als Folge eines Seminars des Mouvement Ecologique aus dem Jahr 2024 in Angriff genommen. Seine klare Botschaft stärkte den Teilnehmer:innen den Rücken und gab dem bevorstehenden Workshop-Teil zusätzlichen Schwung.

Der verpflichtende Grünplan in Zürich – die eindrucksvolle Fachplanung zum Erhalt der Biodiversität in der Stadt

Antonia Eisenhut (Grün Stadt Zürich) präsentierte die Fachplanung Stadtnatur – eine systematische Strategie zur Förderung der biologischen Vielfalt, die bis 2040 den Anteil ökologisch wertvoller Lebensräume im Siedlungsgebiet auf 15 Prozent erhöhen und ein Netzwerk verbundener Lebensräume aufbauen will. Das Modell Zürich illustrierte eindrücklich, wie ökologische und klimatische Ziele in konkrete Planungsinstrumente übersetzt werden können und wie sehr diese Hand in Hand gehen.

Planungsinstrumente in Luxemburg: Vernetzungsmöglichkeiten

Anita Baum und Lex Faber – Vertreterin und Vertreter der Arbeitsgruppe Nachhaltige Entwicklung / Biodiversität desOrdre des Architectes et Ingénieurs-Conseils (OAI)– legten anschließend dar, welche Planungsinstrumente und -ebenen in Luxemburg bereits heute für die Verankerung von Grünplanung und Biodiversitätsschutz genutzt werden können: vom nationalen und regionalen Rahmen bis hin zu kommunalen Instrumenten wie PAG und PAP sowie der Quartiers- und Objektplanung. Sie zeigten Überschneidungen und Synergiepotenziale auf und diskutierten mögliche Optimierungen.

Workshop: Voraussetzungen für eine integrierte Planung in Luxemburg

Den Abschluss bildete ein intensiver Workshop in Kleingruppen, in dem die Teilnehmer:innen konkrete Lösungsansätze erarbeiteten. Im Mittelpunkt standen die Fragen:
Was verstehen Sie unter einer “integrierten kommunalen Grüngplanung”, die Klima, Biodiversität und Lebensqualität verbindet? Wie kann man eine kohärente Grünplanung auf der kommunalen Ebene (PAG) / im Bestand (PAP Quartier existant) / in einem neuen Viertel (PAP Nouveau quartier) umsetzen? Was klappt in dem Sinne heute schon? Was wären optimale Voraussetzungen, um besser voranzukommen? Dies hinsichtlich der Verfügbarkeit von Daten, Verknüpfung von Akteuren, Anpassung des rechtlichen Rahmens …?  Welche 3 prioritäre Aspekte müssten jetzt angegangen werden, um eine integrierte Grünplanung in die Realität umzusetzen?

Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt. Die lebhaften Debatten in den Teilgruppen machten deutlich, dass eine große Zustimmung besteht, die Grünplanung weitaus konsequenter anzugehen und auch bereits ein recht breiter Konsens besteht, wie dies erfolgen sollte. Benötigt werden nun konkrete Schritte, um eine integrierte Grün- und Freiraumplanung in Luxemburg voranzubringen.

 

Fazit und Ausblick

Das Seminar hat eindrücklich gezeigt: Eine kohärente, integrierte Grünplanung, die Biodiversitätsschutz, Klimaanpassung und Lebensqualität zusammendenkt, ist möglich – und es gibt bereits viele gute Beispiele, die schon in Luxemburg laufen oder von denen Luxemburg sich aus dem Ausland inspirieren kann. Allerdings müssen die einzelnen Aspekte zusammengeführt und vor allem planerisch verankert werden.

Die Veranstaltung hat wichtige Impulse gesetzt und erste Elemente für einen weiterführenden Prozess zusammengetragen.

Der Mouvement Ecologique wird die Ergebnisse des Workshops aufbereiten und in den weiteren Dialog mit Gemeinden, den zuständigen Ministerien, nationalen Institutionen und Planungsbüros einbringen.

Denn das Signal des Tages war klar: Mehr Grün in unseren Ortschaften ist kein Nice-to-have, es ist ein absolutes Muss, das mit konkreten Vorteilen für die Menschen der einzelnen Gemeinde verbunden ist, und jetzt ist der Moment, es anzugehen.


Die Folien der Referent:innen:

  1. Begrüßung / Einleitung
  2. Klimastrategie
  3. Objektive des Naturpaktes
  4. Urbaner Naturschutz – Praxisbeispiele
  5. Ville de Luxembourg – Méi Gréngs an eise Gemengen
  6. Animal-Aided Design
  7. Mehr Grün für Zürich
  8. Ein Einblick in die Arbeit von Gründ Stadt Zürich
  9. Planungsinstrumente in Luxemburg

 

Die Aufzeichgnung zum Tageseminar erscheint am 06.05

 

Die Anregungen der verschiedenen Arbeitsgruppen werden derzeit zusammengefasst und werden in etwa 2 Wochen ebenfalls online zu finden sein.