Kultur und Natur
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Replay & Bericht der Online-Konferenz: Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus. Das Erwachen der Schlafmäuse

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Wer sie sind, wo sie vorkommen und wie und warum wir sie schützen sollten.

Im Rahmen der „Aktioun Schléifer“ luden Mouvement Ecologique und Oekozenter Pafendall, zusammen mit ihren Partnern ABIOL, ‘natur musée‘, Frënn vum ‘natur musée‘ und SNL, am 4. Mai 2022 zu einer Online-Konferenz mit dem Wildbiologen Johannes LANG (Universität Giessen / Institut für Tierökologie und Naturbildung) ein.

Thema der Konferenz waren die drei in Luxemburg vorkommenden Schlafmäuse: Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus.

 

In seinem Vortrag erläuterte Lang, dass es sich bei den Schlafmäusen zwar um die kleinste, dafür vermutlich aber auch um die älteste noch lebende Nagetier-Gruppe handelt. Tatsächlich geht die Wissenschaft davon aus, dass die ersten Schlafmäuse unsere Erde bereits vor 50 Millionen Jahren bewohnten. Mit 2.277 Arten weltweit stellen Nagetiere 40 % der Säugetiere. Schlafmäuse zählen nur 30 Arten und kommen auch nur in der „alten Welt“ (Afrika, Asien und Europa) vor.

Seit 25 Jahren treffen sich Wissenschaftler regelmäßig auf der „International Dormouse Conference“ (IDC), um sich über diese faszinierenden Tiere und Ihr Zustand auszutauschen. Hier wurde festgestellt, dass die Verbreitung des Gartenschläfers in den letzten 50 Jahren in Europa extrem eingebrochen, in einigen Regionen sogar total verschwunden ist.

Johannes Lang beschrieb die Biologie, Merkmale und Lebensräume der drei in Luxemburg vorkommenden Arten im Detail und illustrierte seine Schilderungen mit tollen Fotos der unglaublich niedlichen Tiere. Er erklärte z. B., dass Schlafmäuse bei uns zwar im Winter einen sogenannten „Winterschlaf“ halten, die Schlafmäuse in südlicheren Breitengraden sich jedoch nicht im Winter, sondern im Sommer einrollen und ein paar Monate „verschlafen“. Da Schlafmäuse keinen Blinddarm haben, können sie Zellulose nicht verdauen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Insekten, wobei sich die Nahrungsversorgung der drei Arten schon unterscheidet. Sind Früchte und Insekten nicht verfügbar – bei uns im Winter, im Süden während den trockenen Sommermonaten – verkriechen sich die Schlafmäuse in Baum- oder Erdhöhlen, fahren ihren Metabolismus herunter und verschlafen die nahrungskarge Jahreszeit.
Nicht nur eine sehr praktische, sondern auch eine faszinierende Herangehensweise der Überdauerung der schlechten Jahreszeit, welche in den letzten Jahren auch in der medizinischen Forschung auf großes Interesse stößt.

So hat man z. B. auch herausgefunden, dass Schlafmäuse, welche sich über einen Zeckenbiss Borrelien eingefangen haben, in der Lage sind, diese über den Winterschlaf abzutöten.
Auch in der Raumfahrtforschung interessiert man sich für die Schlafmäuse und ihren Winterschlaf. Wie schaffen es die Tiere, sich über Monate nicht zu bewegen, ohne dass ihre Muskeln abgebaut werden? Eine „Superkraft“, der man noch nicht ganz auf die Schliche gekommen ist.

Dies ist sicherlich einer von zahleichen Gründen, warum wir Menschen ein großes Interesse daran haben, die Schlafmäuse und den Lebensraum, auf den Sie angewiesen sind  – und ganz allgemein die große Artenvielfalt, die wir noch  auf dieser Erde bewundern können, – zu schützen.

Damit wir uns weiter an diesen faszinierenden Tieren erfreuen, belehren und bereichern können, braucht es strukturreiche Landschaften. Artenreiche, ungestörte Wälder, in denen Bäume alt werden können. Naturnahe Waldränder, alte Obstwiesen und Weinberge mit Trockenmauern, in denen keine Pestizide zum Einsatz kommen und wo Schlafmäuse das ganze Jahr über Nahrung finden.

Um die Präsenz von Schlafmäusen nachzuweisen, muss man die Tiere nicht selbst beobachten. Sie hinterlassen auch Spuren, welche ihre Anwesenheit verraten. Die Anwesenheit der Haselmaus kann z. B. über ihre Knabberspuren an Haselnüssen oder auch ihre sehr charakteristischen Sommernester nachgewiesen werden. Wie Sie diese erkennen, erfahren Sie im Vortrag von Johannes Lang und auf unserer Internet-Seite zur „Aktioun Schléifer“. Aber Vorsicht: wenn man einmal ein Haselmausnest gesehen hat, ist ein „normaler Spaziergang“, ohne ständig nach dem nächsten Nest Ausschau zu halten, fast nicht mehr möglich.

Kritisch wurden zudem Kompensierungsmaßnahmen sowie Umsiedlungsprojekte für die bedrohte Haselmaus (Art Anhang IV der Habitatschutzdirektive) hervorgehoben. Sie interessieren sich spezifisch für Kompensationsmaßnahmen für Haselmäuse? Dann empfehlen wir Ihnen folgende Publikationen:

Büchner, S.; Lang, J.; Dietz, M.; Schulz, B.; Ehlers, S. & Tempelfeld, S. (2017): Berücksichtigung der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) beim Bau von Windenergieanlagen. Natur und Landschaft 92: 365-374.

Lang, J.; Büchner, S.; Ehlers, S. & Schulz, B. (2013):  Kompensationsmaßnahmen für Haselmäuse im Wald. AFZ-Der Wald 10/2013: 10-13.

Auf Anfrage senden wir Ihnen die Publikationen digital gerne zu.

Bei weiteren spezifischen Fragen, können Sie sich gerne direkt an Herr Lang wenden:

Dipl. Biol. Johannes Lang

Justus-Liebig-Universität Gießen

Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, AG Wildtierforschung

Arbeitskreis Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e.V.

Frankfurter Straße 108, D-35392 Gießen

Telefon: 0641 99 377 22

Email: Johannes.Lang@vetmed.uni-giessen.de

Web: AG Wildtierforschung der Vogelklinik / Arbeitskreis Wildbiologie e.V.

Researchgate: https://www.researchgate.net/profile/Johannes_Lang2