Episod 9: Sumpfschrecke
Mit der neuen Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ möchte der Mouvement Ecologique die Aufmerksamkeit auf vielfach bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume lenken – und dies mit einem Rate-Quiz des jeweiligen Tiergeräusches verbinden.
Insgesamt werden ab Ende April bis Oktober pro Monat jeweils 2 Kurzvideos zu einer Tierart unserer Ortschaften und Landschaften veröffentlicht.
Raten Sie mit – Welches Tier macht wohl dieses Geräusch?… und gewinnen Sie pro Spot einen einen Naturata-Einkaufsgutschein im Wert von 50€!
Haben Sie die Sumpfschrecke im Clip erkannt?
Alle Heuschrecken zirpen? Dann haben Sie die Sumpfschrecke wohl noch nie gehört: „Tick – tick – tick!“ tönt es jetzt im Hochsommer von ganz bestimmten Stellen. Die Sumpfschrecke, eine recht auffällige Vertreterin der Heuschrecken, kommt in unserer Landschaft vor allem auf feuchten Wiesen, an Gräben oder auf brachliegenden Feuchtflächen vor.
Das ungewöhnliche und einzigartige Tick-Geräusch entsteht, wenn die Sumpfschrecke eines ihrer bunt gemusterten Hinterbeine ruckartig über die Flügel schleudert. Ein genauer Blick lohnt sich: Die schwarz gefärbten Knie, leuchtend roten Unterseiten der kräftigen Hinterbeine und die gelben mit schwarzen Dornen bewehrten Schienbeine machen sie zu einer der schönsten heimischen Heuschrecken. Meist ist die Grundfarbe des Körpers grün, doch vor allem bei den Weibchen gibt es Farbvariationen, bei denen die Tiere rötlich überlaufen sind – ein Hinweis auf den französischen Namenszusatz „ensanglanté“.
Lauschen Sie aufmerksam beim nächsten Spaziergang über die „Gewan“ – vielleicht entdecken Sie sie am Rand eines Grabens oder zwischen dem hochgewachsenen Gras einer Feuchtwiese!
Lebensweise
In Luxemburg gibt es rund 50 verschiedene Heuschreckenarten – jede hat ihre eigenen Ansprüche. Manche lieben trockene, sonnige Böden mit Steinen, andere leben auf Bäumen. Die Sumpfschrecke hingegen braucht Feuchtigkeit – wie ihr Name es schon verrät.
Im Sommer leben die erwachsenen Tiere in dichter Vegetation feuchter Wiesen, Brachen, Seggenrieden oder an den Ufern von Gräben. Sie ernähren sich vor allem vegetarisch von verschiedensten Gräsern. Ihre Eier legt die Sumpfschrecke in den Boden oder in Bodennähe zwischen Pflanzen. Wichtig ist dabei, dass der Standort ausreichend feucht bleibt – sonst vertrocknen die Eier oder die schlüpfenden Larven überleben nicht. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Sumpfschrecke deshalb an Standorte gebunden ist, die im Winter zumindest kurzzeitig unter Wasser stehen.
Die Tiere durchlaufen fünf Larvenstadien, bevor sie als erwachsene Tiere (Imagines) zwischen Juni und September aktiv sind. Nur im ausgewachsenen Stadium produzieren sie den Tick-Laut. Denn der „Gesang“ dient dem Männchen zur Revierabgrenzung und Balz – oft ist er auch am frühen Abend gut hörbar. Die Sumpfschrecke ist übrigens eine der wenigen Heuschreckenarten, bei der das Weibchen manchmal ebenfalls einen leisen Klicklaut erzeugen kann.
Gefahren für die Sumpfschrecke
Früher gab es in Luxemburg deutlich mehr feuchte Wiesen und Sümpfe – doch viele davon wurden über die Jahrzehnte entwässert, um sie landwirtschaftlich besser nutzen zu können. Andere Flächen wurden brachliegen gelassen, d.h. sie wurden nicht mehr bewirtschaftet, weil sie wirtschaftlich nicht rentabel waren. Nach und nach wuchsen dort Sträucher und Bäume auf, sodass die offenen, krautreichen Lebensräume verschwanden.
Hinzu kommt die intensive Nutzung der verbleibenden Wiesen: zu häufiges Mähen, starke Düngung und der Verlust von Strukturvielfalt (kleine Anhöhen, feuchtere Senken, krautreiche Säume…) schaden der empfindlichen Art. Ihre Eier brauchen dauerhaft feuchte und störungsfreie Bedingungen, doch diese sind in stark genutzten Flächen oft nicht mehr gegeben.
Verbreitung in Luxemburg
Trotz ihrer hohen Ansprüche zählt die Sumpfschrecke in Luxemburg überraschenderweise zu den häufigeren Heuschreckenarten. Sie scheint relativ anpassungsfähig zu sein und kann sogar auf kleineren, extensiv genutzten Stellen überleben – zum Beispiel im hohen Gras rund um einen Graben, das seltener gemäht wird. Dies ist zum Teil auf ihr gutes Flugvermögen zurückzuführen, da sie dadurch neue Lebensräume gut (übergangsweise) besiedeln kann. Doch auf Dauer braucht sie größere, zusammenhängende Feuchtbiotope, die regelmäßig, aber schonend genutzt werden.
Weil sie vor allem auf extensiv bewirtschaftete Wiesen, Gräben und Feuchtbrachen angewiesen ist, stellt sie eine wichtige Zeigerart für naturnahe, strukturreiche Feuchtlebensräume dar – Lebensräume, die auch für uns Menschen im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen.
Denn: Feuchtgebiete wirken wie natürliche Schwämme in der Landschaft – sie speichern Wasser bei Starkregen und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab. Sie schützen damit vor Überschwemmungen ebenso wie vor Dürreperioden.
Wie kann ich der Sumpfschrecke helfen?
- Feuchtwiesen schützen & wiederherstellen
Unterstützen Sie Naturschutzorganisationen, die Feuchtgebiete pflegen, wiederherstellen („renaturieren“) oder sich dafür einsetzen – so entstehen Lebensräume für die Sumpfschrecke und viele andere Arten, von denen auch wir profitieren. Gehen Sie aktiv auf Ihre Gemeinde zu, damit auf deren Flächen solche Projekte umgesetzt werden. - Durch bewussten Konsum Landschaft und Natur schützen
Kaufen Sie Produkte von Landwirt:innen, die nach Prinzipien des Bio-Landbaus oder naturnah wirtschaften – z. B. Heu von ungedüngten Wiesen oder Fleisch aus extensiver Weidehaltung: Biologischer Landbau: Einkaufsführer – Landwirtschaftsportal – Luxembourg
Auch Projekte wie „Natur genéissen“ in Luxemburg fördern solche Betriebe: https://naturgeneissen.lu/ - Heuschrecken im Allgemeinen helfen: Ihre Wiese seltener und abschnittsweise mähen
Weniger ist mehr: Ob im Garten oder in der offenen Landschaft, Wiesen sollten nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden – möglichst spät und nie vollständig, damit bei jeder Mahd Rückzugsräume für Schmetterlings, Heuschrecken & Co. erhalten bleiben. Verzichten Sie auf Dünger und Pestizide .
Weiterführende Infos und Quellen finden Sie hier:
- orthoptera.ch – Fachportal zur Heuschreckenfauna Mitteleuropas: https://www.orthoptera.ch/wiki/arten/caelifera/oedipodinae/item/stethophyma-grossum (auf Deutsch)
- BUND – “Ach du Schrecke!”- Artikel über die Lautäußerungen von Heuschrecken: https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/unser-tipp-im-august-ach-du-schrecke/ (auf Deutsch)










