Aschätzung Juegddesch duerch de Mouvement Ecologqiue
In den vergangenen Wochen und Monaten nahm der Mouvement Ecologique aktiv an dem vom Umweltministerium geleiteten Jagdtisch teil. An diesem Tisch sassen Umweltorganisationen, Jägervereinigung, Prosilva, Waldbesitzer, Landwirte und Ministerialvertreter:innen zusammen und diskutierten über die Probleme bei der aktuellen Gestaltung der Jagd.
Aus der Perspektive des Mouvement Ecologique standen dabei natürlich folgende Fakten im Fokus: – Der heutige Wildbestand ist bei weitem zu hoch. Wie hinreichend bekannt sein dürfte, sind mehr als 80 % unserer Waldbäume durch die sich verstärkende Klimakatastrophe geschädigt. Der Aufbau von artenreichen, klimaresilienten Wäldern muss jetzt geschehen, wo noch erwachsene „Elternbäume“ in der Lage sind, Samen zu bilden. Die hohe Wilddichte gefährdet jedoch massiv die Regeneration unserer Wälder. Während sich die ausufernden Bestände an Wildschweinen gleich über die Eicheln und Buchecker hermachen, futtern die Herbivoren (Reh, Hirsch, u.a.) die wenigen nachwachsenden Bäume selektiv „regelrecht weg“. Nicht nur die Artenzusammensetzung,sondern v.a. auch die genetische Vielfalt der heranwachsenden Wälder ist somit bedroht. An einer Reduktion des Wildbestandes führt somit kein Weg vorbei.
– Aufgabe ist demnach, das Jagdgesetz an diese neuen Gegebenheiten anzupassen und im Allgemeinen die Jagd zu modernisieren.
Entsprechend konsequent hat sich der Mouvement Ecologique vor allem gemeinsam mit natur&ëmwelt für entsprechende Reformen eingesetzt.
Ziel der Jagd muss in Zukunft weitaus stärker, um nicht zu sagen vorrangig der Erhalt des Waldes sein, dies im Respekt von Tierschutzkriterien. Dies ist derzeit bei weitem nicht der Fall.
Insgesamt ist festzuhalten, dass der Jagdtisch eine absolut begrüßenswerte Initiative war, die auch äußerst kompetent und strukturiert vom Umweltministerium geleitet wurde.
So ist es gelungen, einen Konsens zwischen allen Akteuren zu finden. Sicherlich: in manchen Punkten hätte der Mouvement Ecologique mehr erwartet. Doch stellt das Dokument auch in dieser Form einen wichtigen Fortschritt dar.
Stellvertretend für andere positiven Entwicklungen seien folgende Neuerungen vorgestellt, die auf den Jagdtisch zurückzuführen sind:
– Es wird ausdrücklich festgelegt, dass auf nationaler Ebene der Erhalt/Aufbau resilienter Waldökosysteme das wichtigste Ziel ist, die Jagd ein Mittel dieses Ziel zu erreichen. Dies trägt dazu bei, dass die Jagd weniger als „Freizeitspass“ angesehen wird, sondern der Fokus verstärkt auf den Beitrag zum Erhalt des Waldes gelegt wird. Dabei können ausdrücklich auch ausländische Expert:innen herangezogen zu werden. In diesem Sinne ist die Verstärkung der Kompetenzen der Forstverwaltung hinsichtlich der Erhebung/Überwachung der Wildschäden ein großer Fortschritt. Dies wird zu einer Verbesserung bei der Aufstellung der Abschusspläne für die Jagdberechtigten führen und eine konsequente Kontrolle der Maßnahmen erlauben.
– Die Wälder und das Offenland Luxemburgs sind in 600 Jagdlose mit jeweils einer Fläche von minimal 300 ha aufgeteilt. Jedem Landbesitz ist auch Jagdbesitz / Jagdrecht zugeordnet, welches jedoch nicht vom Besitzer ausgeübt werden kann. Dieses Recht wird vom „Jagdsyndikat“, einer Zusammensetzung aus drei gewählten Mitgliedern aller Landbesitzer eines Jagdloses, versteigert. Die Zusammensetzung dieses Gremiums soll weitaus demokratischer gestaltet werden und deren Einfluss auf die Organisation der Jagd soll erhöht werden.
Es wird festgehalten, dass die Bestimmung im Jagdgesetz aufgenommen werden soll, dass falls ein Jagdpächter seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, das Jagdlos weitaus einfacher gekündigt werden kann.
– Außerordentlich wichtig ist aber bereits im Vorfeld die Vergabe des Jagdrechtes über die Jagdsyndikate. Bislang war ausschließlich der Preis bei den Jagdrechtversteigerungen ausschlaggebend, indem gesetzlich festgelegt war, dass dieses Recht immer an einen der drei Meistbietenden zu vergeben war. Dies führte dazu, dass v.a. bessergestellte Kreise die „wildreichsten“ Jagdlose ersteigerten, um hier die Jagd auszuüben. Dass dabei die Reduktion des Wildbestandes und der Schutz der Biodiversität nicht unbedingt immer im Fokus stand, ist anzunehmen.
Im neuen Gesetzentwurf soll die Vergabe des Jagdrechtes jedoch auch andere Optionen erlauben. So darf künftig die Vorlage eines Dossiers das Kriterium für das Erwerben des Jagdrechts sein. In diesem Dossier soll dargelegt werden, wie die Jagd stattfinden soll – wie die Abschussquoten erreicht werden. Der Jagdpächter verpflichtet sich dabei innerhalb einer gewissen Zeit das Aufkommen einer vielfältigen Naturverjüngung zu gewährleisten. Dieses Abkommen ist also ein sehr konkreter und einklagbarer Forderungskatalog, welcher einerseits bei der Vergabe des Jagdrechtes schon eine Rolle spielt und andererseits dem Jagdsyndikat bei Nichteinhaltung durch den Jagdpächter eine einfachere Kündigung ermöglicht.
– Die Einführung von Ruhezonen für Wildtiere mittels Besucherlenkung soll störungsfreie Bereiche für die Tiere definieren.
– Die Jagd darf nunmehr nachts ausgeübt werden, was ebenfalls positiv zu werten ist. Viele Wildtiere sind nachtaktiv und tagsüber nur mit aufwendigen Bewegungsjagden zu bejagen. Dies gilt insbesondere für Wildschweine, welche beim nächtlichen Ansitz leichter und mit weniger Störung erlegt werden können.
Sicherlich derzeit handelt es sich bei der beabsichtigten Gesetzesneufassung „lediglich“ um eine erste Übereinkunft der verschiedenen Akteure. Diese muss nun in die Praxis umgesetzt werden, sprich in eine Reform des Jagdgesetzes münden. Die bislang oft noch etwas vagen Bestimmungen im „Accord“ konkret in einem legalen Text zu verankern, wird ohne Zweifel erneut zu Diskussionen führen.
Das Umweltministerium hat dabei versprochen, dass diese Gesetzesreform noch 2026 vorgestellt wird. Die Basis für eine gute Arbeit ist gelegt.
Opruff: Gesitt Dir nach Plaze wou d’Wëld gefiddert gëtt – Sot eis dat!
Die Verantwortlichen im Mouvement Ecologique, die die Stellungnahmen zur Jagd federführend ausarbeiten, sowie der Verwaltungsrat des Mouvement Ecologique sind sich durchaus der Tatsache bewusst, dass sich so mancher schwer damit tut, dass sich eine Umweltorganisation dafüreinsetzt, dass mehr gejagt wird. Die Sichtweise, dass „d’Natur sech selwer reegelt an de Mënsch net agräife soll“, liegt natürlich jedem am Herzen.
Der Wald leidet erheblich unter der Klimakatastrophe, es muss alles getan werden, um sie soweit wie möglich einzudämmen. Aber: gewisse Veränderungen, z.B. betreffend die Niederschläge, finden statt und werden sich verschärfen. Die Dürrezeiten usw. machen dem Wald erheblich zu schaffen.
Fakt ist aber zudem: auch ohne Zutun des Menschen, sprich der Jagd, werden unsere Wälder in Zukunft ihre vielfältigen Ökosystemleistungen nicht mehr erfüllen, da der Wildbestand zu hoch ist. Auch hier spielt die Klimakatastrophe bereits jetzt eine große Rolle: die ehedem kälteren
Winter mit langen Frostperioden führten oft zu starker Ausdünnung der Wildbestände, v.a. bei Wildschweinen. Dass die traditionelle Hegejagd mit „Notfütterung“ im Winter, die Schonung der weiblichen Tiere, die (teils illegale) Aussetzung fremder Wildarten (wie Muffel-und Damwild) auch einen Beitrag zur hohen Wilddichte leisten, ist nicht abzustreiten. Aber auch die aktuelle Landwirtschaft mit ihrem hohen Futterangebot und Schutz in großflächigen Maisäckern tragen zu einer Verstärkung des Wildbestandes bei.
Der Mouvement Ecologique hat sich deshalb jahrelang für ein Verbot der Fütterung eingesetzt. Dies mit Erfolg. Bei der letzten Reform des Jagdgesetzes wurde die Fütterung verboten und unter Strafe gestellt.
Erlaubt ist derzeit nur noch „Kirren“, d.h. Anlocken zur Jagd. Diese Praxis ist für den Mouvement Ecologique vertretbar, da sie unentbehrlich ist, um eine möglichst störungsfreie Jagd zu gewährleisten.
Wie sieht denn nun eine ordnungsgemäβe Kirrung aus und wie unterscheidet sie sich von einer Fütterung?
Die Kirrung von Wildschweinen dürfte im Normalfall dem Spaziergänger kaum auffallen, da es sich in diesem Fall maximal um ein Volumen von 1 Liter Getreide-/Maiskörner unter einer Abdeckung durch Holz/Steine handelt, damit es für andere Wildarten nicht erreichbar ist. Das
Kirren von Wildschweinen ist ganzjährig erlaubt.
Die Kirrung von Wiederkäuern (Hirsch, Reh, Damwild/Muffel) kann aus Heu, Karotten, Rüben, Äpfel, u.a. Obst, etwas Hafer erfolgen in Mengen bis zu 5 Litern, allerdings nur während der Jagdzeit auf den Hirsch (1. Mai bis 31. Januar).
Alle verarbeiteten Futterangebote wie Brot u.ä sind verboten. Die Kirrungen müssen bei der ANF gemeldet sein und es darf auch nicht mehr als je eine für Wildschweine und eine für Wiederkäuer pro 50 ha (angefangene) Waldfläche betrieben werden.
Alles andere als die beschriebenen Angebote sind im Prinzip Fütterungen!
Während einiger Zeit wurde das Fütterverbot auch respektiert, derzeit stellt der Mouvement Ecologique aber fest, dass wieder häufig gefüttert wird. Dies ist ein absoluter Widersinn: es soll mehr Wild geschossen werden, aber Jäger füttern Tiere und tragen dazu bei, dass Populationen
zunehmen.
Sehen Sie Futterstellen? Melden Sie uns diese (meco@oeko.lu)! Wir leiten Sie an die Naturverwaltung weiter, damit gehandelt wird.
Was wir von Ihnen brauchen:
– die Koordinaten, wo Sie die Futterquelle gesehen haben;
– das Datum, wann Sie diese festgestellt haben;
– ein Foto.
Wir werden dies an die ANF weiterleiten (ohne Ihren Namen zu erwähnen). Gerne können Sie uns dies auch mitteilen, wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine Kirrung oder eine Fütterung handelt.
Hier wird eindeutig gefüttert.
26.02.26







