Dossier Restopolis und Biolandbau: Reaktionen auf die Argumente des Mouvement Ecologique

Der Mouvement Ecologique hat rezent eine Stellungnahme herausgegeben, in der wir uns dafür eingesetzt haben, dass in den öffentlichen Schulkantinen so weit wie möglich biologisch produzierte Lebensmittel angeboten werden. Dies auch, wenn sie nicht aus Luxemburger Produktion stammen. Heißt: ausländische Bio-Produkte in den Schulkantinen bevorzugen gegenüber Luxemburger konventionell produzierten Lebensmitteln.

Der Mouvement Ecologique bekam Zustimmung – aber auch kritische Nachfragen.

Sechs wesentliche Argumente des Mouvement Ecologique seien im Folgenden sehr kurz dargelegt:

 

  1. Ist ausländisches Bio wirklich „besser“ als Luxemburger konventionell produzierte Lebensmittel?

Man muss wissen, dass Restopolis keine Erdbeeren aus Südafrika einkauft. Der überwiegende Anteil von nicht Luxemburger Bioprodukten stammt aus dem nahen Ausland.

Und da gilt es: Ja: diese Biowaren in Schulkantinen sind zu bevorzugen.

Kurz zusammengefasst: Biolandbau schützt die Natur und Umweltweitaus mehr – und zwar grundsätzlich immer unabhängig ob innerhalb oder außerhalb der Landesgrenze. Wegen geschlossener Nährstoffkreisläufe, dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und abwechslungsreiche Fruchtfolgen sind die negativen Auswirkungen auf Wasser und Boden im Durchschnitt viel geringer als im konventionellen Anbau. Auch die Tier- und Pflanzenwelt profitiert davon. Zusätzlich s sind die Lebensmittel nachweislich u.a. weniger mit Pestiziden belastet. Deshalb: ja: Bioprodukte sind gerade in Schulen zu bevorzugen. Alle Kinder sollten Zugang zu besonders gesunden und umweltfreundlichen Lebensmitteln haben. Zudem ist es ein Fakt, dass die Transportwege nur etwa 20% der CO2-Emissionen ausmachen (es hängt vom Produkt ab, doch ist dies ein Mittelwert). Die höchsten Emissionen sind mit dem Anbau / der Produktion verbunden, und diese sind beim konventionellen Landbau höher. Deshalb gilt es in Sachen Biodiversitäts- und Klimaschutz  Bio dem lokal konventionellen vorzuziehen.

 

  1. Um welche Mengen handelt es sich denn?

Dem Mouvement Ecologique liegen keine detaillierten Zahlen vor, aber etwaige Größenordnungen sind doch zu nennen. Etwa 80% der von Restopolis eingekauften Lebensmittel stammen aus konventionellem Anbau, 20% aus biologischer Produktion. Von diesen 20% stammen über 60% aus dem Inland. Sprich: ausländische Biowaren dürften gemäß Schätzungen des Mouvement Ecologique etwa eh nur 6-7% der insgesamt eingekauften Lebensmittel ausmachen. Um diese Prozente dreht sich die Debatte vordergründig … oder geht es eher um einen Stellungskrieg verschiedener gegen den Biolandbau?

 

  1. Müssen wir denn nicht auch an die konventionellen Landwirte in Luxemburg denken?

Ja, sicherlich, dies tut der Mouvement Ecologique auch. Es ist wirklich auch der Verdienst des Mouvement Ecologique, dass Restopolis nunmehr regionale und biologische Waren einkauft. Bei 3 Millionen servierten Gerichten und 5 Millionen verkauften Cafeteriaprodukten pro Jahr fällt der absolute Großteil zum Nutzen der konventionellen Landwirtschaft zu. Ein riesiger Absatzmarkt! Für konventionell produzierende und den Biolandbau! Aber sicher soll mehr getan werden (siehe Frage 4).

 

  1. Gibt es denn andere Absatzchancen für (alle) Luxemburger Landwirte?

Seit Jahren fordert der Mouvement Ecologique das Landwirtschaftsministerium auf, in allen öffentlichen Kantinen Lebensmitteln aus Luxemburg den Vorzug zu geben, biologisch produzierten und konventionell produzierten! Dies ist zudem auch wichtig, da im Sommer die Schulen geschlossen sind und der Absatz entsprechend für bestimmte Produkte einbricht, z.T. vor allem auch dann, wenn es sich um Gemüse handelt.

Statt dass nun  manche so tun, als wäre der ausländische Biolandbau der Hauptfeind der konventionellen Landwirtschaft und ein gut funktionierendes System von Restopolis infrage stellen(), sollte man alle Anstrengungen unternehmen, damit alle öffentlichen Kantinen – u.a. Spitäler und Altenheime – in Luxemburg hergestellte und biologische Lebensmittel den Vorzug erhalten! Auf diese Weise würde ein weitaus größerer Markt entstehen als die im Verhältnis wenigen Importe von ausländischen Bio-Produkten. Warum ist das Landwirtschaftsministerium seit Jahren tatenlos in diesem Zusammenhang? Warum fordern dies die Landwirtsverbände nicht verstärkt ein?

 

  1. Nutzt die Stellungnahme des Mouvement Ecologique denn auch dem Ausbau des Biolandbaus in Luxemburg?

Eindeutig ja: Denn Luxemburg verfehlt seine selbst gesteckten Ziele zum Ausbau des Biolandbaus flagrant. Statt dass wie im Bioaktionsplan vorgesehen, 20% der Flächen im Jahre 2025 biologisch bewirtschaftet werden, sind es etwas knapp über 10%. Landwirtschaftsministerin Martine Hansen meint, die Ziele seien zu hoch angesetzt gewesen. Nein, nicht die Ziele waren zu hoch, sondern die Maßnahmen, um diese zu erreichen. Indem biologische Waren in öffentlichen Kantinen gegenüber den konventionellen bevorzugt werden, wird ein eindeutiges Signal an Landwirte gerichtet: es lohnt sich umzusteigen, weil u.a. ein sicherer Absatzmarkt vorhanden ist. Nur so können die Ziele (im Übrigen auch unsere Ziele im Wasserschutzbereich) erreicht werden!

 

  1. Ist die Zuspitzung in den Diskussionen gut?

Nein, der Mouvement Ecologique bedauert dies zutiefst. In seinen zahlreichen Stellungnahmen zum Thema greift der Mouvement Ecologique auch niemals einen einzelnen Landwirt an. Wir hinterfragen die allgemeine Orientierung der (EU-)Landwirtschaftspolitik. Als Nichtregierungsorganisation, die den Beitrag der Landwirtschaft zum Verlust der Biodiversität, zum Bienensterben, zur Verschlechterung der Wasserqualität betreffend die Ewigkeitschemikalie TFA kennt, ist dies unsere Rolle! Der Mouvement Ecologique tritt jedoch auch seit Jahren dafür ein, dass das Ministerium einen Runden Tisch für Landwirtschaft einrichtet, an dem alle Akteure – auch Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen teilnehmen, damit ein Austausch über bestehende Probleme stattfindet. Nur verwehrt die Landwirtschaftsministerin diesen Dialog.