Energie – Klimaschutz
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Replay und Bericht: Ausstieg aus den fossilen Energien: Wie stellen wir heute die Wärmeversorgung unserer Wohnviertel von morgen sicher?

Rund 100 Interessierte sind der Einladung des Mouvement Ecologique und Klima-Bündnis Lëtzebuerg zu einer Online-Veranstaltung mit dem Titel: “Ausstieg aus den fossilen Energien: Wie stellen wir heute die Wärmeversorgung unserer Wohnviertel von morgen sicher?”, gefolgt. Ziel dieser Veranstaltung war es anhand konkreter Beispiele aus dem In- und Ausland verschiedene technologische Alternativen aufzuzeigen, wie zukünftig ganze Wohnviertel im Bestand, ohne fossile Energien geheizt werden können.

Nach einer kurzen Begrüßung von Paul Polfer vom Klima-Bündnis Luxemburg, der die Aktualität dieser Veranstaltung mit Blick auf die russische Invasion noch ein Mal hervorhob, war es an Dr. Jan Steinbach – Geschäftsführer des Instituts für Ressourceneffizienz und Energiestrategien (IREES).

Dr. Jan Steinbach ging in seinem Vortrag auf die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Wärmeversorgung ein und legte Wege zum Erreichen eines klimaneutralen Gebäudebestandes dar. Auch Jan Steinbach hob noch ein Mal die aktuellen Ereignisse in der Ukraine hervor und unterstrich inwiefern nun eine Reduktion der Importabhängigkeit von fossilen Energien aus Russland, neben dem Klimaschutz, Teil der zukünftigen Energiepolitik sein wird. So lässt sich für Deutschland z. B. im Bereich der Gebäude eine Importabhängigkeit von russischer Energie auf rund 35 % chiffrieren. Effiziente Gas- und Heizkessel sind der Ansicht nach des Referenten ein Trugschluss, bzw. eine Investition die nicht ausreiche. Projekte die demnach nach einer Sanierung weiterhin fossile Brennstoffe zur Wärmeerzeugung nutzen, seien nicht zielkonform. Umso wichtiger ist laut Dr. Steinbach eine integrierte Betrachtung von Effizienzmaßnahmen, Sanierungsmaßnahmen, eine Planung von Wärmeinfrastrukturen, sowie eine dezentrale Wärmeversorgung.

Schauen Sie sich hier noch ein Mal die Aufnahme der Veranstaltung an.

Thierry Lagoda, Bürgermeister der Gemeinde Beckerich, stellte anschließend das Fernwärmenetz der Gemeinde vor und erklärte wie anhand von einer Biogas-Genossenschaft die ersten Schritte unternommen wurden um das Wärmenetz zu speisen. In einer zweiten Anlage, nämlich einer Holzhackschnitzel-Anlage wurden die Kapazitäten schließlich ausgebaut. Ziel der Gemeinde ist es, bis 2030 energieautark zu werden. Dies könne aber nur mit einer regelmäßigen und konsequenten Einbindung der Bürger:innen geschehen. Hierfür werden Energieworkshops organisiert, um eine aktive Beteiligung aller Akteure zu fördern. Ohne eine nationale Unterstützung sowie die Schaffung der geeigneten Rahmenbedingungen von seitens der Regierung, um eben solche lokale Maßnahmen zu unterstützen, wäre dies jedoch nicht möglich.

Danach war es Marc Lauwers Direktor von Sudcal der das 20 km lange Wärmenetz um und in Belval vorstellte. Hier wird seit 2008 mit industrieller Abwärme von Arcelor Mittal geheizt. Um eventuelle Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen, setzt Sudcal einen 300 m3 Ballon ein. Laut Marc Lauwers müsste zukünftig aber verstärkt in Speichertechnologien investiert werden um eben auch die saisonalen Unterschiede des Wärmebedarfs auszugleichen.

Im nächsten Kurzvortrag ging Robert Colbach, Geologe im Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten, auf die grundsätzlichen Elemente bei der Nutzung von Geothermie ein und legte aktuelle Bestrebungen in diesem Bereich in Luxemburg dar. Um Risiken beim Gebrauch von Geothermie zu minimieren, müssten laut Robert Colbach unbedingt die geologischen Datenerhebungen sowie deren Informationsfluss verbessert werden. Hiermit ließen sich zum Beispiel Probleme bei Bohrungen und in Zusammenhang mit dem Grundwasser vermeiden.

In Riehen wird seit fast 30 Jahren nun mithilfe der mittleren Geothermie einen Großteil der Gemeinde (ca. 20.000 Einwohner) mit Erdwärme versorgt. Matthias Meier, Geschäftsführer vom Wärmeverband Riehen präzisierte, dass hierbei mit hydrothermaler Geothermie gearbeitet wird. So wird nämlich eine bestehende Unterwasserschicht in 1,5 km Tiefe angezapft. Interessant waren die Äußerungen von Matthias Meier, dass im Kanton Basel-Stadt eine fossile Heizung  genehmigungspflichtig sei. Bei jedem Haushalt werde zuerst analysiert ob eine erneuerbare Lösung möglich wäre wie z. B. eine Holzheizung, eine Wärmepumpe (Wasser oder Erdsonde) oder einen Anschluss an das Fernwärmenetz. Wenn eines von drei möglich sei, wird dem Antrag für eine fossile Heizung nicht stattgegeben. Eine Regelung die bereits seit 2017 in Kraft sei. Nun plant der Wärmeverbund Riehen bereits eine zweite Geothermie Anlage um zukünftig den Anteil erneuerbarer Energien bis 2026 auf 80 % zu erhöhen.

Eine weitere spannende Technologie, nämlich die eines Eis-Energiespeicher, wurde anschließend anhand eines kurzen Videos, das Sie sich hier anschauen können, vorgestellt:

Fenn Faber von myenergy und Florian Noll vom Institut für Zukunfstenergie und Stoffstromsysteme (IZES) stellten anschliessend den geplanten Wärmekataster Luxemburgs sowie dessen Einsatzmöglichkeiten im Kontext des Klimapakts 2.0 vor. Ziel dieses Instruments ist es ganz klar in Zukunft die Wärmeplanung strategisch voranzutreiben. Der Wärmekataster ist hierbei in erster Linie ein Werkzeug um Daten und verschiedene Analysemöglichkeiten für die Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Er soll demnach einen ersten Überblick ermöglichen, um z.B. den Bestand zu erfassen, eigne sich jedoch nicht für eine Detailplanung, sondern der Fokus liege ganz klar darauf, anhand des Wärmekatasters, Projektansätze zu identifizieren. Florian Noll gab zudem einen ersten Einblick in den Wärmekataster und stellte die einzelnen Einsatzmöglichkeiten vor.

In einer offenen Diskussion, wurde sich anschließend unter anderem gefragt inwiefern Staat und Gemeinden, ähnlich wie in Riehen, Vorgaben machen könnten, inwiefern Technologien mit fossilen Energien verboten, bzw. genehmigungspflichtig gemacht werden können. Weitere Fragen gab es zum Aufwand des Aufbaus eines Wärmenetzes, bzw. zu zentralen Wärmepumpen.