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Reaktion auf die Aussagen des „House of Automobile“ zu den neuen Abgastests: Wo bleiben Klima- und Verbraucherschutzinteressen?

Laut Medienberichten fordert das „House of Automobile“ (HOA) eine neue Besprechung mit dem Mobilitätsministerium, um eine weitere Verzögerung der Umsetzung des neuen sogenannten WLTP-Standards, dem neuen Abgastest bei Autos, zu erreichen.

Mit seiner Haltung tritt das „House of Automobile“ sowohl die Wahrung von Verbraucherinteressen als auch jene des Klimaschutzes mit Füßen.

Zum besseren Verständnis: Das neue WLTP-Verfahren zur Messung von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen orientiert sich näher am alltäglichen Fahrverhalten, als die bis dato gültige NEFZ-Methode. Auf Grundlage weltweit gesammelter Realfahrdaten berücksichtigt diese Methode nicht nur verschiedene Situationen und Geschwindigkeiten im Straßenverkehr, sondern auch die verschiedenen Ausstattungsvarianten und Gewichtsklassen eines Autos. Es liegt auf der Hand: für den gleichen Wagen werden die WLTP-Werte im Durchschnitt – gemäß Erfahrungswerten 20-25% – höher liegen als die NEFZ-Werte, so dass der Wagen je nachdem in eine höhere Steuerklasse eingeordnet werden würde.

Alles dreht sich nun darum, ab wann einerseits den Kunden die weitaus realistischeren Messdaten der neuen WLTP-Methode zwingend mitgeteilt werden müssen und welche Wagen dann entweder über das WLTP- oder gemäß NEFZ-Verfahren besteuert werden.

Laut Mobilitätsministerium könnten die Wagen noch bis Ende Februar 2020 nach der veralteten NEFZ-Methode gekennzeichnet sein – alle nach dem 1. März 2020 angemeldeten Wagen werden aber nach dem WLTP-Wert besteuert.

Wer demnach im Februar einen neuen Wagen kauft, bei welchem er nur die NEFZ-Werte kennt, riskiert einen Wagen zu kaufen, der de facto jedoch weitaus mehr Umweltbelastungen verursacht als angegeben und ebenfalls in eine höhere Klasse der Autosteuer zu fallen droht.

Der Mouvement Ecologique erachtet es bereits als äußerst problematisch, dass nicht bereits ab 1. Januar das neue Messverfahren obligatorisch allen Kunden mitgeteilt werden muss und das alte Messverfahren „auf dem Schrotthaufen landet“. Im Hinblick auf das Autofestival, welches vom 25. Januar bis 3. Februar stattfindet, könnten die Konsumenten so bezüglich der CO2-Emissionen in die Irre geführt werden, da der Emissionswert bei der Lieferung des Autos höher ausfallen kann als der Wert, welcher im Showroom angegeben wurde.

Umso beschämender ist es, wenn gewisse Vertreter der Automobilbranche, die Angabe der reellen Daten sogar noch weiter verschieben möchten.

Zudem muss betont werden, dass der Automobilbranche seit Jahren bekannt ist, dass das neue Verfahren zur Messung eingesetzt werden wird. In anderen EU-Ländern sind diese sogar seit längerem vorgeschrieben.

Demnach: Unabhängig davon, ob es in der Vergangenheit nun eine (mündliche) Vereinbarung zwischen HOA und dem Mobilitätsministerium über einen noch späteren Termin für das Inkrafttreten in Luxemburg des neuen Messverfahrens gab oder nicht: die Forderung, das WLTP-Verfahren nun weiter aufzuschieben ist weder aus Sicht der Konsumenten noch des Klima- und Umweltschutz vertretbar.

Die Aussagen des „House of Automobile“  in den Medien lassen nur den Schluss zu, dass diese Interessensvertretung der Automobilbranche den Verbraucher de facto ganz bewusst weiterhin mit falschen Daten in die Irre führen und von einem klimagerechteren Kaufverhalten abhalten will. Dies ist eine unerträgliche Haltung und die Frage stellt sich, ob der gesamte Autohandel sich wirklich damit identifiziert?!

Die Autobranche sollte in der Tat gegenüber ihren Kunden ein großes Interesse daran haben, sämtliche CO2-Werte nach WLTP-Standard anzugeben und ihnen auch den Kauf eines, nach dieser Methode bewerteten, Fahrzeugs anzuraten. Ansonsten riskiert sie ihre Kunden, wie erwähnt, in eine höhere Steuerklasse zu geleiten und je nach weiterer Verzögerung der Immatrikulation des Fahrzeugs sogar  die Prämie „Clever fueren“ zu verlieren.

Der Mouvement Ecologique fordert somit, dass der Autohandel seine Verantwortung übernimmt und den Käufer umgehend – und vor allem auch im anstehenden Autofestival – kompetent und objektiv über den Übergang von NEFZ auf WLTP ab dem 1. März aufklärt. So ist dem Verbraucher dann selbst überlassen, ob er ein emissionsarmes Auto wählt oder nicht.

Dass Leasing-Unternehmen über diese Entwicklung nicht erfreut sein werden, sollte angesichts der Klimakrise, die Politik nicht davon abhalten, um auch hier das WLTP-Verfahren endlich konsequent einzusetzen. Denn gerade im Leasingbereich ist das „ökologische“ Gedankengut derzeit alles andere als präsent.

Übrigens: jeder interessierte Verbraucher, wird auch sachliche Informationen zu den bestmöglichen Fahrzeugen auf der Beratungsseite www.oekotopten.lu finden.