Mobilität
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Projekt Oekotopten.lu – Spezial Autofestival: Autofestival 2016 im Zeichen des Abgasskandals

An diesem Wochenende laden Luxemburgs Autoverkäufer vom 23. Januar – 1. Februar wieder zu ihrem jährlichen Autofestival ein. Das Anwerben der Kunden könnte sich nach dem weltweiten Abgasskandal des VW-Konzerns Mitte September jedoch als besonders schwierig erweisen, da das Vertrauen der Kunden schwer erschüttert ist.

Hintergrund des Skandals ist die Manipulation der Stickoxidwerte von Millionen von Modellen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda. Der VW-Konzern hat dabei eine Software eingesetzt, die erkennt, ob sich das Fahrzeug gerade auf dem Prüfstand befindet oder im richtigen Einsatz auf der Straße. Wenn der Wagen offensichtlich auf Abgasemissionen getestet wird, schaltet die Software die Abgasreinigung ein. Das senkt unter Umständen zwar die Motorleistung oder erhöht den Spritverbrauch, bringt aber die gewünschten Emissionswerte. Stellt die Software fest, dass der Wagen gerade auf der Straße fährt, schaltet die Software die Abgasreinigung aus.

Manipulierte Werte auch bei anderen Autokonzernen?

Obschon vor allem der VW-Konzern im Mittelpunkt des Abgasskandals steht, werden auch weitere Automarken verdächtigt, eine ähnliche Manipulationssoftware einzusetzen. Jüngstes Beispiel ist die Marke Renault, bei welcher Anfang Januar Hausdurchsuchungen in mehreren Abteilungen durchgeführt wurden.

Neben der Manipulation der Stickoxidwerte werden nun auch wieder die Tests zur Messung des Kraftstoffverbrauchs und der Schadstoffemissionen an sich heftig diskutiert. Schon seit langem ist bekannt, dass die Angaben zum Spritverbrauch und den CO2-Emissionen nicht der Realität entsprechen. Immer wieder forderten Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen deshalb eine Neuregulierung der Tests, die auf realen Bedingungen basieren. Diese Neuregulierung wird dann auch schon seit Jahren im EU-Parlament und der europäischen Kommission diskutiert. Dabei gelang es vor allem der deutschen Auto-Lobby, Bemühungen zur Einführung eines neuen Abgas-Testverfahren stets zu blockieren, respektive Maximalemissionswerte von Stickoxiden oder CO2 zu verwässern.

Umweltverbände u.a. sehen sich durch den aktuellen Abgasskandal in ihren Vorwürfen bestätigt und werden sich mit noch größerem Einsatz für eine Verbesserung der Verfahren einsetzen.

Das „International Council on Clean Transportation“ (ICCT) hat in eigenen Tests gezeigt, dass der Unterschied am Spritverbrauch, und somit auch an CO2-Emissionen, zwischen den Angaben der Autokonzerne und den realen Werten seit 2001 stetig wächst. Im Durchschnitt liegt der Unterschied aktuell bei mehr als 35%. 2001 waren es lediglich 8%.

Trotz oder gerade wegen der Skandale:
Gerade jetzt beim Autokauf auf ökologische Aspekte achten!

Das Projekt Oekotopten.lu, welches seit 2008 sieben Autolisten vom kleinen Stadtwagen bis zum großräumigen Van führt, bietet auch dieses Jahr dem verunsicherten Autokäufer konkrete Handlungsempfehlungen. Bewertet werden die Modelle nach Herstellerangaben auf Basis des CO2-Ausstoßes, der Feinpartikel und der Stickoxide; alle Modelle entsprechen der aktuellen Abgasnorm Euro 6 , die seit September 2015 für Neuzulassungen gültig ist.

  • Falls Ihr Fahrverhalten es ermöglicht: Elektroauto Vorrang geben: Elektroautos, die derzeit einen hohen Anschaffungspreis haben, sind sicherlich die ökologischste Wahl. Sie emittieren, mit dem aktuellen Strommix aller luxemburgischen Stromanbieter, kein CO2. Allerdings beträgt die Reichweite derzeit etwa 200 km, was dazu führt, dass der Wagen nicht für jeden geeignet ist.
  • Benzinmodellen den Vorrang vor Diesel geben! Benziner sind sicherlich aus ökologischer Sicht die interessanteste Wahl. Feinstaubpartikel und Stickoxide fallen bei den Otto-Motoren weit niedriger aus als bei vergleichbaren Diesel-Motoren. Vor allem bei den kleinen Stadtwagen  ist die Auswahl an verschiedenen Modellen groß.
  • Hybrid-Modell als beste Alternative in der Kompaktklasse: Obwohl die graue Energie – sprich Ökobilanz – bei der Herstellung dieser Modelle, die von Diesel- oder Benzinfahrzeugen um ein mehrfaches übertrifft, haben Hybrid-Autos mit ihrer ausgereiften Technik betreffend Lebenszykluskosten bei einer intensiven und langen Nutzung die Nase vorn.
  • Bei größeren Modellen weiterhin auf CO2-Verbrauch achten! Bei größeren Modellen, wie z.B. Vans mit 6 Sitzen bleiben dem Käufer leider wenige Alternativen zum Diesel. Hier sollte der Kunde auf jeden Fall auf die CO2-Werte achten, die bei der größten Autokategorie schnell in die Höhe steigen kann. Auf Oekotopten.lu liegt der Maximalwert bei Vans bei 110 g CO2/ km. Obwohl auch bei den oberen Klassen Hybrid- und Elektroautos in den Oekotopten-Listen vertreten sind, werden diese wohl sicherlich im Moment nur von einer kleinen Klientel ins Auge gefasst, bedingt durch die hohen Anschaffungskosten. Eine Empfehlung sind sie dennoch wert.

Alternativen zum Neukauf beachten!

Vor der Kaufentscheidung eines Neuwagens sollte man sich im Klaren sein, ob das jetzige Auto bei rücksichtsvollem Gebrauch und hinsichtlich der Ökobilanz neuproduzierter Autos nicht noch einige Zeit seinen Dienst tut. Die Abgasaffäre wird nicht ohne Konsequenz auf die Entwicklung sauberer Motoren, praxisnäheren Tests und somit ehrlicheren Daten sein.

Das Projekt Oekotopten.lu versteht sich nicht alleine als Ratgeber beim Kaufentscheid eines Autos, sondern will darüber hinaus den Menschen alternative Fortbewegungsmittel aufzeigen, wie z.B. elektrische Fahrräder, sogenannte Pedelecs, die dank eines elektrischen Motors jedem erlauben sich mühelos auf gesundheitsfördernde und umweltbewußte Manier weiterzubewegen. In vier Produktlisten – vom Citybike über Mountainbike bis zum Faltrad, welches den Aktionsradius in Verbindung mit dem öffentlichen Verkehr erweitert – hat der Konsument eine große Anzahl an verschiedenen Modellen.

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Kontakt:          Thierry LAGODA

Projektleiter www.oekotopten.lu

Tel.: 43 90 30-60 Fax: 43 90 30-43

Mail: thierry.lagoda@oeko.lu

 

Erscheinungsdatum: 21.01.2016
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