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Fragwürdige Renaturierungsarbeiten im Tal der Weissen Ernz

Dieser Tage geschah etwas im Umweltbereich, was wohl in Luxemburg eine gewisse Seltenheit hat. Das Nachhaltigkeitsministerium stoppte …die Arbeiten an einem eigenen Projekt! Dies sicherlich auch auf Druck der Naturschutzorganisationen! Aber wohl auch, weil das Ministerium erkannte, dass in diesem Dossier, das sich in einem Schutzgebiet abspielt, erhebliche Planungs- und Prozedurfehler gemacht wurden! Fehler mit gravierenden Folgen, aus denen man die notwendigen Konsequenzen für die Zukunft ziehen muss.

Um was geht es: der Mouvement Ecologique wurde in den letzten Tagen wiederholt von empörten BürgerInnen kontaktiert in Bezug auf größere und sehr gravierende – Eingriffe in die Landschaft entlang der Weissen Ernz zwischen Koedingen (Gemeinde Fischbach) und dem Ortsteil „Soup“ (Gemeinde Heffingen).

Vor Ort finden derzeit einerseits Renaturierungsarbeiten entlang der Weissen Ernz statt, welche unter großem Maschineneinsatz und großflächigen Bodenverschiebungen erfolgen. Offiziell erfolgen diese im Hinblick auf eine Wiederherstellung der Feuchtwiesen entlang der Weissen Ernz (“Restauration de prairies humides“) und wurden unter der vorherigen Regierung im Jahre 2007 bzw. im Dezember 2010 vom Umwelt- bvzw. Nachhaltigkeitsministerium unter bestimmten Bedingungen genehmigt.

Parallel dazu erfolgt der Bau einer nationalen Radpiste (Nr 5) entlang der Weissen Ernz, deren Trasse z.T. durch naturschutzrelevante Lebensräume verläuft. Auch diese Arbeiten haben eine ministerielle Genehmigung aus dem Jahre 2007 bzw. von März 2010.

Koedange 2

Beim Besuch vor Ort ist man schockiert von den massiven und teilweise sehr brutalen Eingriffen in die naturnahen Lebensräume, die es hier noch vor kurzem gab. Neben der Fällung von Erlen und Pappeln erfolgte eine massive Zerstörung von seltenen und geschützten Lebensräumen wie Erlenbruchwald, Schilfbestände und Seggenriede. Es stellen sich eine Reihe von grundsätzlichen Fragen:

– Was die Renaturierungsarbeiten anbelangt: In welchem Verhältnis steht der große Planungsaufwand, der großflächige maschinelle Eingriff, die Bodenverschiebungen und die finanziellen Kosten zum Resultat aus Naturschutzsicht? Sicher: der nationale Naturschutzplan nennt die Renaturierung der Weissen Ernz als ein Projekt im Rahmen eines Gesamtprogrammes. Es ist jedoch ausdrücklich (!) vorgesehen, dass zunächst eine Bewertung („évaluation“) erfolgen sollte. Der Nachweis, dass diesem Projekt tatsächlich eine Priorität beigemessen werden soll und dass es wirklich in diesem Ausmaß opportun ist, wurde bis dato nicht erbracht!

– Ohne das Prinzip des nationalen Radwegeplanes a priori in Frage zu stellen: Gab es wirklich keine andere möglich Trasse? Wären nicht aus Natur- und Landschaftsschutzgründen eine behutsamere und weitaus sanftere Linienführung angebracht gewesen?

– Wie ist es möglich, dass diese Arbeiten überhaupt angegangen werden konnten, ohne dass die hierzu erforderlichen Impaktstudie vorlag, dies zumal das Ganze sich in einem Schutzgebiet abspielt!?

Koedange 1

Es sei darauf hingewiesen, dass auch der Oberste Naturschutzrat vor Jahren anlässlich einer Ortsbesichtigung gravierende Vorbehalte im Hinblick auf die Renaturierungsarbeiten und die Trasse der Fahrradpiste hatte.

Der Mouvement Ecologique weist im Rahmen dieses Vorfalls ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer stärkeren fachlichen Kompetenz der Naturverwaltung hin. Nach der durchgeführten Reorganisation, muss die Naturverwaltung mit ausreichendem qualifizierten Personal an Botanikern, Zoologen und Ökologen ausgestattet werden!

Der Mouvement Ecologique begrüßt, dass auch auf sein Einwirken hin das Nachhaltigkeitsministerium die Arbeiten an der Baustelle bis auf Weiteres gestoppt hat und erwartet, dass das Ministerium die notwendige Lehren für die weitere Naturschutzpolitik zieht und im Besonderen für die Einhaltung gesetzlicher Prozeduren bei Eingriffen in Schutzgebieten (u.a. auch Natura 2000 Gebiete).

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