Nachhaltige Entwicklung
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Grüne Ortschaften und Gemeinden, eine Utopie?

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Eine anregende Fachveranstaltung zum Thema Grünflächen verdeutlichte nicht nur das Potenzial von Durchgrünung, sondern zeigte auch konkrete Handlungsfelder auf.

Unter dem Titel “Méi Gréngs an eisen Uertschaften?! … e Gewënn u Liewesqualitéit” fand am 24.Juni 2014 eine umfassende Fachveranstaltung zum Thema „Durchgrünung“ unserer Ortschaften und Stadtviertel im Oekozenter statt. … Rund 70 Personen wohnten den Vorträgen der ausländischen Experten bei, die auf vielfältige Good-practice-Beispiele hinwiesen.

 

Dass das Thema – aufgrund der sektoriellen Pläne – zurzeit in Luxemburg durchaus aktuell ist, darauf verwies Staatssekretär Camille Gira, der die Eröffnungsworte sprach. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der demografischen Entwicklung und dem zunehmendem Ressourcenverbrauch fungieren Grünflächen zudem nicht nur als wesentliche Nahrungslieferanten, sondern auch als wesentliches Instrument der Stadtklimatologie als Luftfeuchtigkeitsregulierer und Schadstofffilter.

menke peterPeter Menke, Vorstand der deutschen Stiftung “DIE GRÜNE STADT”, ging in seinem Beitrag auf die Bedeutung von Grünflächen im ökologischen, sozialen und ökonomischen Bereich ein.

“Gerade der Erfolg einer Stadt, ist durch ihre Zwischenräume geprägt”, meinte Menke. Wesentlich sei vor allem ein Netz an Grünflächen, die fussläufig erreicht werden könnten. Vernetzte, abwechslungsreiche Grünflächen seien zudem eine wichtige Basis für die Biodiversität und den Artenwechsel. Grünflächen dürften jedoch auch keine “No-go-Area” sein, ohne Beleuchtung, Bänke und Zutritt. Sie seien auch Kommunikations- und Begegnungsorte, ob für Konzerte, Entspannung oder Flohmärkte. Insgesamt könnten Gemeinden ihr Profil durch ein Netz von Grünflächen deutlich schärfen.

Um Umweltgerechtigkeit ging es in dem Beitag von Silke Wissel, Projektmanagerin im kommunalen

Umweltschutz der Deutschen Umwelthilfe. Sie verwies darauf hin, dass gerade stark belastete Strassen, an denen eher sozial niedrige Schichten lebten, oft wenig begrünt sind. Statt gepflegtes “Abstandsgrün”, das regelmässig gemäht werden muss , plädiert Wissel für eine reiche Staudenvielfalt, wobei sich die Planzenauswahl an heimischen Insekten orientieren soll. Insgesamt sei wichtig, dass die Gemeinden durch vielfältiges Grün ihre Vorbildfunktion wahrnehmen würden, die Bürger einbinden und aktiv über Projekte informieren…

Öffentlichkeitsarbeit muss die “essbare Stadt” Andernach in Rheinland-Pfalz für ihr Projekt mittlerweile nicht mehr machen. Sie ist fast schon zu einem Selbstläufer geworden. Auf schmackhafte Art veranschaulichte denn auch Lutz Kosack, Landschaftsplaner der Stadtverwaltung Andernach, wie sich die tristen Angsträume und vermüllten Flächen des 30.000- Einwohner-Städtchens in blühende Gärten mit Obst und Gemüse verwandelt haben. Betreten und pflücken sind ausdrücklich erlaubt. Das Konzept stellt nicht nur Bürgernähe in den Mittelpunkt, sondern will auch auch auf alte Obst- und Gemüsesorten als wertvolles Kulturgut aufmerksam machen. Permakulturflächen als Keimzelle für die essbare Stadt und als Arbeitsstelle für mittlerweile 20 Arbeitslose, runden die Initiative ab…

Im Herbst wird ein 2.Fachseminar zu diesem Thema stattfinden, das sich mit der Integration einer verstärkten Durchgrünung in die Planung von Strassenraum und Siedlungen beschäftigt sowie mit der spezifischen Luxemburger Situation. Im Vorfeld findet eine Arbeitssitzung statt, an der Interessierte gerne teilnehmen können (Tel. 439030-1 oder meco@oeko.lu).

Date de publication: 25.06.2014
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